Wenn man Sri Lanka besucht, sollte man definitiv die Zugfahrt von Kandy nach Ella machen. 6 Stunden lang Postkartenmotive der aller feinsten Sorte. Ob nun die Teeplantagen, die Schluchten, die Berge, die Wasserfälle, die Reisfelder, der Dschungel, die Dörfer, die Gemüsebeete, die Hütten oder die liebevoll gestalteten Blumengärten. Alles, wirklich alles ist atemberaubend schön.
Am Bahnhof wurden wir dann quasi sofort von einem jungen Singhalesen mit Dreadlocks (Sanka heisst er) angesprochen, der sich nach einigem hin und her doch auf Sanas hartes Handeln eingelassen hat und uns in seinem Tuktuk mitgenommen hat. Allerdings nicht direkt zum Zimmer, sondern erst zur Familie, wo er noch mit Mutter und Schwester diskutieren musste über unseren Preis. Im Endeffekt haben dann alle zugestimmt und wurde wurden durch das Minidorf gefahren, hoch auf den Berg, direkt in den Dschungel zu einem solch wunderschönen Zimmer, dass wir fast ein schlechtes Gewissen hatten, dass wir so arg gehandelt hatten.
Wir haben ein Himmelbett, saubere Decken, je zwei frisch bezogene Kissen und ein Bad mit heissem Wasser. Vom Zimmer öffnet man zwei Flügeltüren zur Terrasse mit Tisch und Stühlen und einem Ausblick auf Ella Rock und little Adam's Peak, sowie Bergen und Tälern in der Ferne. Absolut traumhaft. Der Name "Angel View" ist auf jeden Fall auch Programm hier.
Abends hören wir den Mönchen bei ihren Meditationsgesangen zu, morgens werden wir vom Hahn wach gekräht und Unterhaupt piepst und tschirpt und lebt hier alles um uns herum. Inklusive der 3 Haushunde, des unglaublich aufdringlichen Katers, und der drei Hühner, die immer in unser Zimmer wollen.
Überall wachsen Bananen, Jackfruit, Granatäpfel, Papayas, Mangos, Chillies und alles was das Herz nur so begehrt.
Die Familie hat uns fast schon schmerzhaft herzlich aufgenommen. Und das auch noch, obwohl der Großvater im Sterben lag (vorgestern ist er dann gestorben). Alles ist hier ein wenig im Ausnahmezustand, aber gleichzeitig unheimlich herzlich und lieb.
Die Familie trauert mit dem ganzen Dorf gemeinsam, neun eigentlich mit der ganzen Region gemeinsam, da der Opa ein sehr bekannter und beliebter Mann war. Seit drei Tagen ist er nun daheim aufgebahrt und die Familie empfängt hunderte von Trauergästen. Gestern auch uns.
Das war ganz schön komisch so einen aufgebahrten Töten da liegen zu sehen, aber irgendwie auch sehr friedlich und ruhevoll, wie er da so lag, ganz in weiss gekleidet, auf einem weissen Himmelbett, umgeben von Kissen und zwei Elefanten Stoßzähnen (Attrappen) mit schönem Licht. Hatte irgendwie was.
Die Familie hat sich unheimlich gefreut, dass wir da waren und uns gleich noch zum Abendessen eingeladen. Hammer Buffet mit verschiedensten Curries auf riesen Tellern und ohne Besteck! Herrlich.
Spannend war hier, dass alle Männer unglaublich betrunken waren und alle Leute, auch die Frauen, sehr viel gelacht haben.
Allgemein wird in diesem Land sehr viel gelacht, das ist toll.
Zwischen all der Trauer und den speziellen Umständen hier haben wir aber auch ein paar Dinge angesehen. Eine Teefabrik, einen Wasserfall, sind hoch zu Little Adam's Peak und mit Sanka und seinen Freunden im Tuktuk durch die Gegend gefahren. Die haben uns auch ganz zuckersüss in Ihren Freundeskreis aufgenommen. Zuckersüss sind sie eh, denn obwohl sie schon Anfang zwanzig sind, wirken sie oft eher wie verspielte Teenager. Hat schon was.
Heute ist nun die wirkliche Beerdigung, wo wir aber nicht mit gehen werden. Statt dessen ist Sana auf den Ella Rock gestiegen und ich habe, da mir leider mein Fuss doch etwas weh tut, zu Hause aufgeräumt, Waschen gewaschen und mich mal wieder dem Blog gewidmet. Auch schön.
Morgen wird dann unsere sechste und letzte Nacht in Ella sein und dann verlassen wir die Berge in Richtung Strand.
Uns geht es also super gut und wir laufen mit offen Augen und teilweise auch offenen Mündern weiter durch dieses tolle Land.
Alles Liebe und bis bald.
F*
PS: Fotos sind leider auf dieser Reise nur bedingt möglich. Ich reiche aber alles nach.
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