Etwas seltenes ist passiert. Suranga, ein sehr guter Freund von Chamara, der verheiratet ist, ein tuktuk besitzt und so gut wie gar kein Englisch spricht, kam doch tatsächlich eines abends bei uns vorbei. Unangemeldet. Auf dem Motorrad. Mit seiner Frau!!
Das ist das erste mal, dass wir hier ein Mädel kennen lernen durften. Sonst sind die Männer eher unter sich und zu Frauen hat man als foreigner eher wenig Kontakt, zumindest nicht in der Freizeit.
Da kommt er also an und präsentiert uns stolz seiner Frau und seine Frau uns. Irgendwie ein ziemlicher Vertrauensbeweis. Wir fühlten uns auf jeden Fall sehr geehrt.
Sie waren gerade auf dem Weg zu einem "Musical" beim local Karneval, also zu einem Konzert auf dem Rummel.
Spontan wie wir nun einmal sind, wollten wir also gerne mit. Tuktuk gerufen, hingefahren, umsonst reingekommen, weil ja der eine wen kennt, der wen kennt, oder so.
Hunderte, tausende von locals, zwei drei weisse - und wir. Gut, dass wir immer anständig verpackt das Haus verlassen.
Das Festivalgelände war mit einem riesigen Baldachin aus Lichterketten überspannt, dazwischen ein paar Fahrgeschäfte für die Kinder, Essensstände, eine Bierbude und eine riesige bunte Bühne, auf der sich eine Band nach der anderen ausgetobt hat.
Fahrgeschäft musste sein. Wie früher. Rein in den Flieger, alle drei Mädels zusammen, seatbelt um für die safety und abwechslend hoch und runter gedüst für 5 Minuten. Hach, war das toll. Und bei der Konstruktion ähnlich spannend wie Hamburgs Airwolf. Es war ein Fest.
Schnell auf weiter zur Bühne, ein Bier gekauft und rein ins Getummel.
Da tanzen sie also alle die Jungs, auch ein paar Mädels, aber grösstenteils eben Jungs. Jungs, die sich gegenseitig auf den Arm nehmen, oder auf die Schultern, teilweise sogar stehend, gleichzeitig tanzend, inmitten der Menge. Eine Pyramide wurde gebaut, Salti geschlagen, breakdanceartige Tanzmoves dargeboten und alles in einem Wirrwarr von schwitzigen Menschen. Aber irgendwie geht es sich hier doch immer aus, ob im Strassenverkehr oder auf der Tanzfläche, irgendwie ist immer Platz. Natürlich ist das alles auch eine Art Kräftemessen, das Fachwort ist hier "dance attack", und nicht selten kommt es im Anschluss zu Rangeleien oder gar echten Schlägereien. Zum Glück blieb uns letzteres erspart, wohl auch, weil wir umringt waren von den Freunden und Brüdern und Cousins und Onkeln und sonst irgendwie anverwandter Menschen, die wir natürlich sofort alle getroffen hatten in der Menge. Easy :-P .
Es wurde sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass die fremden Mädchen zur einheimischen Musik tanzen, vor allem Surangas Frau hat sich gefreut über die weibliche Gesellschaft, und so haben wir lachend und krakelend und klatschend teilgenommen an diesem bunten Chaos.
Irgendwann sind wir dann doch müde geworden von all den vielen Eindrücken, und ein zwei neidische Blicke in Richtung der auf dem Boden oder auf Armen schlafenden Kinder konnte ich mir nicht verkneifen. Wie schön, dass es uns allen gleich erging. Also los, tuktuk suchen (der Fahrer war einer der Neffenonkels oder sowas von der Schwägerin der Frau, und war auch mit drinnen), gefunden, Juhuh! Aber so ein Mist, der Lenker ist lose, also Taschenlampe raus und drei Männer schrauben gleichzeitig am Fahrzeug rum ständig diskutierend über die beste Art, dieses Problem zu lösen. Irgendwann war dann also die richtige Schraube wieder festgezurrt und wir wurden gratis heim gebracht und sicher vor der Haustür ausgeladen.
Wieder einmal bin ich also zufrieden in mein Bett gefallen. Gute Nacht.
F*