Drei Monate.
Schwups vorbei.
Wundervoll war es. Herausfordernd, lehrreich, lustig, erholsam und aufwühlend, emotional, erlebnisreich, bescheuert und schlau.
Ich komme wieder. Irgendwann.
Saturday, 5 March 2016
Goodbyes.
Letzte Geschenke
Die Rückfahrt von Arugam Bay hat noch mal ganz grosses Kino geboten.
Schon morgens fing es an mit einer Gruppe Pfauenküken und gleich darauf einem tanzenden Pfauenmann. Schmetterlinge, Vögel und zwei Elefanten auf der Straße, die ich dieses Mal sogar gefilmt habe. Ein toller tierischer Abschluss.
Danke Sri Lanka!
Monday, 29 February 2016
Back to where it all began...
Arugam bay.
Offseason.
Alles ist grün, überall Wasser. Und wo Wasser ist, sind auch Krokodile. Und Vögel. Und Schildkröten, Elefanten, Affen, Büffelherden und Schmetterlinge. Die braunen Steppen vom letzten Jahr sind weite Lagunen mit Seerosen und Schilf. Oder Reisfelder, die jetzt kurz vor der Ernte stehen.
Es ist ruhiger, nur das Meer ist wild. Der Strand ist schmuddelig von den stürmischen Wogen, die den Müll etwas verteilen. Wird wohl erst in ein paar Wochen wieder gesäubert.
Wir haben ein wunderbares Zimmer im gleichen Bungalowkomplex wie vorher und fühlen uns ein Bisschen wie zu Hause. Die hiesigen Strandhunde haben uns auch wiedererkannt und sich vor allem über Chamara, der sie doch auch öfters gefüttert hat, sehr gefreut. Ausser uns ist keiner hier und wir haben das Zimmer auch nur bekommen, weil Chamara mit dem neuen Vermieter gut kann. Heisst also, wir haben das ganze Ding für uns und geniessen es, morgens auf unserer Terrasse frisches Obst und Gemüse zu frühstücken. Nur Kaffee könnte es geben, ansonsten alles perfekt.
Der Weg von Kataragama führte am Rande des Yala National Parks entlang, was uns zu ein paar sehr speziellen Erlebnissen verholfen hat. Morgens direkt eine Herde wilder Rehe, ein Fuchs, der uns ganz frech angegrinst hat, Wildschweine mit Frischlingen und die Krönung: zwei Elefanten, die die rechte Fahrbahnseite wohl als angenehmen Ort empfanden, um sich selbst im Schatten einiger Palmen mit Ästen kühle Luft zuzufechern. Ganz langsam sind wir an ihnen vorbei gefahren und wenn ich die Hand ausgestreckt hätte, dann hätte ich sie berührt. Das hat mich wiederum berührt.
Obiges hatte ich vorgestern schon geschrieben.
Heute sind zwei Zimmer zusätzlich belegt worden und Chamara und ich haben in der Früh mal ein Bisschen aufgeräumt und Müll weg gesammelt. Jetzt sieht es zumindest an "unserem" Strandabschnitt wieder hübsch aus und die Bar ist auch schick und gut in Schuss. Chamara ist total aufgegangen darin, endlich mal wieder zu "arbeiten" und ich hoffe, er bekommt diese Saison wieder einen Job hier. Das wird sich allerdings erst in einer Weile klären. Dann bin ich schon weg.
Morgen früh fahren wir zurück nach Hikkaduwa, um noch ein paar Tage dort zu haben und nicht sofort wieder aufbrechen zu müssen. Na ja, geht dann trotzdem immer schnell.
Uns geht es auf jeden Fall sehr gut, trotz der ganzen Emotionen, die sich so langsam einschleichen, wenn die Gewissheit immer größer wird, dass die drei Monate jetzt wirklich um sind. Verrückt, wie relativ die Zeit doch ist.
<3, F*
Kataragama
Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll...
Die letzten zwei Tage in Kataragama waren so prall gefüllt mit buddhistischen Erlebnissen.
Morgens sind wir los, haben in Galle gefrühstückt und sind nach diversen Stops an schönen Tempeln abends um halb 6 in Kataragama angekommen.
Zwischendurch schon arge Geldsorgen verspürt, die dann aber in Wohlgefallen vergangen sind, als der Singhalese ein Zimmer für 1000 Rupees die Nacht aufgetan hat. Hatte schon schönere, aber auch schon viel schlimmere und die Familie dort war sehr nett und zuvorkommend.
Dann schnell den Reisestaub abgeduscht und fertig gemacht.
Chamara geniesst es, dass er mal alles planen und organisieren kann und für mich ist es auch total schön.
Also rein ins weisse Gewand, das man für den Tempelbesuch dabei haben sollte und los marschiert in den holy district.
Die Nacht war dunkel und es wehte ein kühler Wind.
Schon auf dem Weg trafen wir überall weissgekleidete Pilgerer, die Obstplatten, Wasserlilien und andere Opfergaben mit sich trugen. Die Luft roch nach Zimt und hoppers und Incense, die Stände außerhalb der Tempelanlage spielten laute Musik und die Verkäufer riefen uns zu, dass wir doch bloß bei Ihnen den besten Krimskrams bekommen.
Über die Brücke mussten wir, unter uns der Bach, der selbst in der Dunkelheit noch schmutzigen Reisenden zu einem erfrischenden Bad verhalf, da man auf keinen Fall schmutzig zum Tempel geht.
Einen langen sandigen Weg entlang vorbei an weiteren Verkäufern und inmitten einer langen Prozession von weissgewandigen dunkelhäutigen Menschen, zwei weisse Gesichter werde ich in den nächsten zwei Tagen sehen, ansonsten bin ich die einzige. Wir haben definitiv nicht das Westtouri Programm absolviert.
Am Ende des Sandweges stellten wir unsere Schuhe ab und tauchten ein ins Geschehen. Im Baum sassen Hühner und schliefen, die Tempel Mauer war bestückt mit tausenden kleiner Elefanten, über denen Pfauen auf Cobras stehen. Der Geruch von Jasmin und Kokosöl gesellt sich zu den anderen dazu und mein erstes Bild des Innenhofes ist das von extatisch tanzenden Menschen, mit Pfauenfedern, die in einem Bogen eingespannt sind. Eine Frau schreit auf und fällt zu Boden, wälzt sich hin und her und die anderen Tänzer tanzen wild um sie herum. Der Geist ist in sie gefahren. Ein Mann liegt ein Stück entfernt von ihr auf dem Bauch im Sand und hat einen riesigen Stein auf dem Rücken. Selbstkasteiung quasi, ein selbstauferlegtes punishment, um die Götter gütig zu stimmen.
Gedränge um den Eingang zu einem der Gebäude. Die Menschen strecken die Hand aus und bekommen eine Kelle Jasminwasser eingeschenkt, Chamara hat eine der Blüten abbekommen, das ist was ganz Besonderes. Er trinkt und gibt mir einen Schluck ab. Jetzt riecht es also auch von Innen nach Jasmin. Die Türen zu diesem Häuschen gehen auf und die Menschen strömen ein in einer langsamen Prozession vorbei an Kataragama, der vielgesichtigen Göttin. Rupees werden auf der einen Seite gespendet, Obstplatten auf der anderen. Am Ausgang wartet ein Mönch, der uns einen Löffel heissen, Zimtundzuckerreis mit Nüssen und Rosinen in die Hand gibt. Köstlich und irgendwie magisch. Alles geht so schnell und irgendwie liegt in allem doch eine tiefe Ruhe.
Wieder eine Frau, die plötzlich zusammenzuckt, aufschreit, zu Boden knallt, sich wälzt und nach einer Weile einfach reglos liegen bleibt. Ihre Freundin sieht nach ihr, aber keiner ist besorgt. Sowas passiert hier halt.
Wir gehen vorbei an Schreinen kleinerer Gottheiten, wo die dazugehörigen Mönche Menschen "segnen", die Ihnen Geschenke bringen. Auch hier eine lange Schlange obstbestückter Buddhisten.
Weiter ging es einen sandigen Weg zum grossen Tempel entlang, an dessen Ränder Frauen Wasserlilien verkauften, wir nahmen 5 und opferten sie an den Schreinen rund um die weisse Stupa. Danach gingen wir schweigend drei mal um den Tempel herum, begleitet von Gesängen und Gebeten von Menschen, die entweder auch gingen, oder am Rand standen oder saßen. Da war eine wunderschöne Stimmung, ganz friedlich und andächtig und fröhlich. Eine gute Mischung.
Fast drei Stunden waren vergangen bis wir wieder am Anfang bei unseren Schuhen angelangt waren. Wahnsinnig viele Eindrücke, Gerüche und Farben haben wir gesehen, blinkende Buddhaschreine, die psychedelischer nicht hätten anmuten können, viel zu verdauen.
Die Nacht war friedlich und der Schlaf wohlverdient und am nächsten Morgen sind wir zeitig um 7 aufgestanden und los gefahren zu Waliammas Devale. Ein weiterer Tempel auf dem Gipfel eines Berges in der Nähe.
Am Fuße haben wir unseren Scooter abgestellt und sind los gegangen in den Dschungel. Tausende Treppenstufen führten durchs Grün nach oben, auf dem Weg wurden uns an kleineren Schreinen von murmelnden Mönchen verschiedenstfarbige Punkte auf die Stirn gemalt.
Eineinhalb Stunden dauerte der Anstieg. Wir waren recht schnell. Und sehr verschwitzt als wir oben ankamen. Schneller waren nur die vielen Affen, die verstohlen auf uns herabblickten und darauf warteten, dass sie uns was zu essen abluxen können.
Der Ausblick war atemberaubend. Bis zu den Meeren konnten wir blicken und weit in die Berge hinein auf der anderen Seite.
Es war strahlend blauer Himmel und im Schatten des Buddhatrees haben wir eine Pause gemacht, um unsere Beine auszuruhen. Andere Tempelgänger gaben uns von Ihrem Obst und so saßen wir da und aßen genüsslich ein paar Bananen.
Der Abstieg ging natürlich schneller, aber am Ende haben unsere Beine doch gezittert. All diese ungleichmäßigen Stufen sind ganz schön anstrengend für Knie und Muskeln...
Weder auf dem Weg, noch oben haben wir auch nur einen einzigen Touristen getroffen, dafür aber Scharen von Singhalesen und Tamilen, die alle diese Göttin verehren. Es war eine fröhliche und freundliche Stimmung und alle haben sich ermutigt, die nächsten Schritte auch noch zu gehen.
Ich kann Kataragama nur empfehlen, wenn man mal den ganz argen Religionshammer möchte. In der richtigen Pilgersaison kann man hier auch noch ganz andere Sachen erleben, wo sich Menschen Messer oder Holzpflöcke durch die Haut bohren, oder sich an Ringen aufhängen. Das haben wir allerdings diesmal nicht gesehen.
Der Nachmittag gehörte dem Besuch eines ganz alten Tempels 20 km außerhalb. Monströse Granitfelsen, in die kleine Stufen gehauen wurden haben uns fast die Füsse verbrannt. Aber auch hier war der Ausblick wunder schön. Über den ganzen Yala National Park.
Tief in einem der Felsen war eine Höhle geschlagen wirden, in der eine liegende Buddhastatue zu sehen war. Diese Höhlen sind kühl und ruhig und erholsam für die Seele finde ich.
Auch hier waren wir eine gute Stunde zu Fuss unterwegs und den Muskelkater durfte ich auch ein paar Tage später noch spüren.
Am frühen Abend haben wir dann einen Ausflug nach Tissa gemacht, wo wir uns an den Rand einer riesigen Lagune gesetzt haben und als die Dämmerung kam, kamen die Flughunde. Erst waren es ein paar und ich hab fröhlich drauf gezeigt: "Chamara look, bats!" "Look there." kam nur züruck und am Horizont kam eine riesige schwarze Wolke von langsam Flugelschlagenden riesigen Fledermäusen auf uns zu. Boom! Total geil, und ein wunderbarer Abschluss für diesen wahnsinnig tollen Besuch in Kataragama.
F*
Friday, 26 February 2016
Leeres Haus und gepackter Rucksack
Gestern haben wir (Chamara, Nirash und ich) Sana zum Flughafen gebracht. Durch den ärgsten Sturm, mit umgefallenen Bäumen, Blitzen und Donner, wie in Ronjas Geburtsnacht und Regengüssen, wie ich sie seit Goa nicht mehr erlebt habe. Uns war allen etwas mulmig im Auto.
Machte aber alles nix, nach einer Stunde war alles vorbei und nach einem schnellen Abschied, um bloß nicht emotional zu werden, sind Chamara, Nirash und ich im Sonnenschein zurück nach Hause gefahren.
Abends war es dann schon komisch mit Sanas leerem Zimmer. But what to do? Wir haben eine Zigarette auf sie geraucht und sind früh ins Bett, da heute einges an Organisation anstand.
Das Haus ist jetzt leer, Helen ist eingezogen (sie übernimmt Haus und Ulf für die nächsten Wochen), der gepackte Rucksack steht bei Chamaras Family und ein kleines Urlaubsgepäck wartet daheim drauf, dass es morgen in der Früh endlich losgeht auf unsere Scootertour.
Es ist ein sehr glücklicher Tag bei Chamara daheim mit all den Geschenken, die sie heute bekommen haben. Wir hatten für die Küche einiges gekauft, das jetzt hier gelandet ist und auch ein paar Kissen und Krimskrams und Klamotten, die entweder fehlgekauft oder aussortiert wurden. Chamaras Kommentar zu den ganzen Tüten war: "I think mother very happy, maybe heartattack happy." Aber das ist zum Glück nicht passiert.
Heute Abend gibt es noch ein letztes Mahl bei uns daheim und dann habe ich keinen festen Wohnsitz mehr hier. Dafür aber noch zwei Wochen vogelfreies Rumreisen.
Ich freue mich schon sehr auf die neuen Eindrücke.
Neben mir sitzen Chamara und seine jüngste Schwester, die ihm gerade die grauen Haare aus der sonst schwarzen Mähne schnippelt, vor uns der Brunnen, an dem sich gerade der grosse Iguana sonnt, hinter uns der Neffe, der nach ein paar Tagen Krankheit seinen Energieüberschuss durch Quatsch machen los wird und über mir strahlend blauer Himmel und wehende Kokospalmen. Mutter und mittlere Schwester bereiten das Abendessen vor und verräumen die Mitbringsel in den paar Schränken, die sie haben. Ich bin gerne hier.
Bis bald, dann von woanders.
F*
Sri Lanka Schmankerl 6
Die Schlange und das Hörnchen
Tatort: Chamaras Haus
Hauptdarsteller: die Schlange, das Hörnchen, der Greifvogel, Chamara
Nebendarsteller: die Schwestern, die Mutter, der Neffe, die Fam
Lautes gepiepse war von draussen zu vernehmen und Chamara beugt sich neugierig aus dem Fenster.
Ein Hörnchen, eine Schlange! Oh weh!
Beide ineinander verschlungen in Schlanges erdrückender Liebesumarmung.
Die übrigen Haupt- und Nebendarsteller laufen nach draussen.
"Nein!" ruft Chamara und wirft einen Stein.
Die Schlange lässt ab, das geliebte Hörnchen flüchtet auf's Dach, doch die Rechnung wurde wohl ohne den Greif gemacht.
Der packte das frisch freigewordene Ding und flog dahin.
Tja, so läuft es im Dschungel...
Tuesday, 23 February 2016
Abschied, der erste.
Es ist der 23.2.2016 und Sana packt.
Morgen haben wir noch gemeinsam, dann geht es auf zum airport.
Es ist schon komisch, irgendwie surreal, am 27. brechen Chamara und ich dann auch schon auf zu unserer kleinen Rundreise.
Das Kapitel Hikkaduwa schreibt gerade nur noch die letzten paar Seiten und ich befinde mich in einem Zustand zwischen Sentimentalität und grosser Zufriedenheit über das was ich hier erlebt habe.
Die letzten paar Tage haben wir mit Lachen, Tanzen, Sonnenbaden, Plantschen, sehr gutem Essen und allgemein sehr viel Freude verbracht. Ob nun auf Sanas Abschiedsparty, bei den letzten Strandsonnenstunden oder beim Kochen daheim. Genossen haben wir es.
Ich denke, von der Tour kommt sicherlich auch noch mal was.
Bis dahin: Küsse in die Kälte,
F*
Zwei Mal Geburtstag und ein Sari
Wir haben am 19.2. die Geburtstage von Chamaras Mama und Neffen gefeiert, mit extrem scharfem Chickencurry und einem Sarifotoshoot bei ihnen daheim. Es waren alle da, auch die Oma, die mir geholfen hat, den Sari anständig zu wickeln. War für sie wohl auch das erste Mal (mit 76!!! Jahren). Wäre das Teil nicht so kompliziert und so warm, dann würde ich es definitiv öfter tragen, steht mir echt ganz gut.
Chamara hat sich auch schick gemacht und ich habe ihn zum ersten Mal mit Schuhen gesehen. Sehr strange.
Ich also in meinem rot und orangefarbenen Sari und den Sarischuhen der Mutter, er in weisser Hose, schwarz weissem Hemd und weissen Schuhen. Sana war die Fotografin.
Um es mal sanft zu sagen, sie hat ich an uns ziemlich ausgetobt und wir haben den oberkitschigen Fotoshoot hingelegt. Da muss definitiv was nachfolgen an Fotos, die darf man nicht verheimlichen!
Super cool, noch mal so ein spezielles Andenken mitzunehmen.
Tuesday, 16 February 2016
Endspurt
Die Tage sind gezählt, das Heimweh ist vorbei, das Geld ist ziemlich aufgebraucht und ich komme schon bald wieder nach Hause.
Zum Abschluss fahren Chamara und ich noch mal eine Woche durch dieses wunder schöne Land und lassen es uns gut gehen.
Sana hat nur noch 8 Tage. Verrückt, wie schnell immer alles geht, auch wenn man zwischendurch das Gefühl hatte, ewig Zeit zu haben.
Ich freue mich schon sehr darauf wieder ein wenig unterwegs zu sein und noch ein paar neue und wahrscheinlich auch bekannte Orte zu sehen.
Aber auf zu Hause freue ich mich auch. Das ist irgendwie ein schönes Gefühl.
Nicht, dass mir der Abschied von hier nicht schwer fallen wird, tränenreich wird es sicherlich. Aber ich weiss, dass ich wieder einen neuen Ort auf dieser Welt gewonnen habe, an dem ich willkommen und auch ein Stück weit zu Hause bin.
Ich hoffe nur, dass es Anfang März schon schön frühlingshaft ist in meinem geliebten Wien. Werde auf jeden Fall noch ein paar beachdays einlegen, um genug Sonne zu tanken.
Ich werde mal mit dem Wettergott ins Zwiegespräch gehen und alles in die Wege leiten.
So lange wünsche ich einen sanften Winterausklang, bis bald. :-)
Happy Valentinesday my darling!
Der erste echte Valentinstag meines Lebens liegt hinter mir. Ich wurde geweckt mit einer Dschungelblume und Kaffee am Bett und den Worten:" Happy Valentinesday my darling!"
Das war so kitschig und lustig und amerikanisch und strange, dass ich einen riesen Lachanfall bekommen habe, um ehrlich zu sein auch, weil ich es total schön fand.
Morgens ein paar Runden Carrom gespielt, geduscht, schick gemacht und mit dem Scooter ab nach Galle, wo ein riesiges Valentinsspektakel war, mit Musik und Essen und Helikopterflügen (viel zu teuer!) und und und.
Es war ein strahlend schöner Tag ohne Wölkchen, dafür mit einer "frischen" Brise. Allerdings auf dem Festivalgelände kaum auszuhalten, da man da fast gebraten wurde. Das lag aber zum Glück am Fusse des Galle Forts und so haben wir uns, wie übrigens sehr viele andere Paare auch, oben auf die Wiese gesetzt und auf das Geschehen unten herab geblickt. Sehr schön war es.
Nach einer Weile allerdings musste ich aus der Sonne und wir sind kurzerhand ins Kino gegangen. Balkony zum local Preis für schlappe €1,90 pro Person. Non A/C, dafür aber mit vielen Vetilatoren, die die heisse Luft durchgewirbelt haben. Mit popcorn und Cola und allem was dazu gehört.
Hat richtig Spass gemacht, mal wieder ins Kino zu gehen!
Abends sind wir dann noch auf die Valentinsparty im blue moon gegangen und nach einem nächtlichen Bäckereibesuch glücklich und zufrieden eingeschlafen.
Der wirklich klischeehafteste und lustigste Valentinstag, den ich je erlebt habe!
Thursday, 11 February 2016
5 Schritte vor, dreieinhalb zurück
Alles ist wie immer ein Hin- und Her, wie Ebbe und Flut und Tag und Nacht und Berg und Tal.
Bei mir war vor ein paar Tagen der allseits bekannte Asienüberdrusstag erreicht.
Ich wollte einfach daheim sein, alles verstehen, was um mich passiert, alle Regeln des Alltags und des Zusammenseins kennen, bekannte Strukturen um mich haben und überhaupt sollte es alles sofort so sein und nicht erst irgendwann (Habe ich in Europa denn jemals das Gefühl gehabt, alles zu verstehen? Und wenn ja, ist das auch so? Ich denke nicht...)
Ich kenne ihn diesen Tag und hatte ihn schon in Indien, auch mal in Spanien und in Indonesien sowieso.
Er ist jetzt vorbei und ich bin froh.
Seit zwei Monaten nun versuche ich meine Herkunft mit Chamaras unter einen Hut zu kriegen. Das ist nicht immer einfach, oft sogar mit sehr viel Arbeit verbunden, aber bis dato hatte ich genügend Energie und Lust dazu. Jetzt war ich einfach mal müde. Um mich dann doch aufzuraffen und es wieder zu tun. In kleinsten Mäuseschrittchen vor, noch mal erklären, noch mal ein Beispiel finden, noch mal ein neues Wort nachschlagen, noch mal durchatmen und geduldig warten, bis es angekommen ist. Gleichzeitig versuchen seine Seite zu verstehen, oder die Seite seiner Freunde.
Dieses Szenario kann man in beide Richtungen spinnen, da es ihm ja ähnlich geht. Nur hat er den Vorteil, dass wir hier in Sri Lanka sind und diese zusätzliche "Belastung" des "Aufmerksamseinswasichmache" nicht hat.
In all der Euphorie des Lernens und des Näherkommens und des Verstehens sind eben auch ein paar kleine und grössere Stolpersteine versteckt, die überwunden werden wollen.
Jetzt sind wir sie wieder nach vorne gegangen unsere 5 Schritte im Gänsemarsch. Slowly slowly slowly.
Ich koche heute eine Bolognese, die kenne ich, weiss genau, wie sie zu sein hat und sie wird verdammt gut werden.
Ausser meiner Müdigkeit geht es mir aber gut, ich wusste ja worauf uch mich einlasse und eine Beziehung ist ja doch auch in Europa öfters Arbeit, oder erinnere ich mich da falsch? ;-)
Ich lächele auf jeden Fall noch immer und das ist ja auch gut so.
Gerade hat Chamara mir ein grosses eiskaltes Bier gebracht, um 15h, am Strand. Manches ist doch überall gleich gut und es könnte definitiv auch viel schlimmer sein...
Küsse aus der anderen Welt!
F*
Saturday, 6 February 2016
Tuktuktuktuktuk...
In Sri Lanka gibt es alles in Tuktukform. Auch das strandfahrtaugliche vielzulautshaggyspielende Eisverkäufertuktuk <3!
"That's our husband!"
Manchmal gibt es auch ganz komische Regeln hier. Freitags ist Vibrationparty und wir wollten mal da hin.
Chamara meinte schon vorher, dass er vielleicht Eintritt zahlen müsse, was für uns der totale Quatsch war, kommt doch eh mit zwei weissen Mädels daher.
Na ja, es stellte sich heraus, dass er wirklich zahlen muss. 2000 Rupees! So viel zahl ich in Wien nicht für ne Party. Ich war also schon drauf und dran wieder zu gehen, da selbst die "This is my husband" Nummer nicht funktionierte, da zückt Sana einen Tausender und meint, dass wir es uns einfach teilen. Nun gut.
Das eingesteckte Trinkbudget für den Abend war also schonmal fast aufgebraucht, noch bevor wir den Laden überhaupt betreten haben.
Unsere Stimmung war aber zum Glück sehr gut und wir haben uns trotz mauem Taschengeld einen sehr netten Abend gemacht.
Zu trinken gab's dann auch noch was von so einem reichen Inder, der Chamara irgendwie angequatscht hatte und im Endeffekt waren wir doch eher zufrieden mit dem Abend.
Den aber definitiv krönenden Höhepunkt hatte das ganze Spektakel, als wir kurz in die Bar gegenüber wollten und wieder an der blöden Security vorbei sind. Sana war schon drei Meter vorher recht aufgebracht, da ein paar locals doch einfach so reingelassen wurden und rief den Sicherheitsmännern zu: "Why do you let these boys in and not him?!?! That's OUR husband, you know?" Ich denke, damit war dann alles geklärt.
Der ayurvedische Dorfarzt
Überbeinbehandlung auf ayurvedisch:
Seit ca. einem Jahr schlage ich mich, mal mehr, mal weniger mit einem Überbein am linken Daumenbasisgelenk rum. Geht meistens eigentlich ganz gut, nur manchmal nach dem Arbeiten, oder wenn ich massiert habe, schwillt es an und schmerzt ein paar Tage.
Nun dachte ich mir, ist das doch der perfekte Aufhänger um mal in die Ayurvedik reinzuschnuppern.
Natürlich wollte ich das richtige Erlebnis, nicht so ein Touriwellnessprogramm. Chamara kannte da noch so einen Dorfarzt 25km von hier zu dem wir dann gefahren sind.
Seine Praxis war in einer alten Garage oder zumindest einem so ähnlich anmutenden Gebäude gelegen und bestand aus einer Wartebank neben einer ayurvedischen Apotheke, die komplett aus Holz gezimmert war, einem Schreibtisch und zwei Stühlen. Wir kamen sofort dran.
Der sehr sympathische Arzt sprach nur wenig Englisch, was einen recht lustigen Übersetzungs-, Sprach-, und Verstehenswust zur Folge hatte.
Auch der Fakt, dass ich die erste Weisse in seiner Praxis war verhalf dem ganzen zu einem recht amüsanten Ambiente und so haben alle sehr viel gelacht in der dreiviertel Stunde, die ich dort war.
Er staunte erstmal nicht schlecht, dass ich das schon ein ganzes Jahr habe und hat nach einigem Dranherumdrücken und Begutachten und Pulsertasten genickt und gesagt:
"Yes, I can do something." Danach Stille. Ok.
"And what can you do?", fragte ich nach einer längeren Pause, in der er nur wissend lächelte.
"You cannot take shower one week." sagte er und fing an herzlichst zu lachen.
"Whaaaaat? It's very hot in Sri Lanka!"
"Yes, but one week no cold water and three medicines three times one day."
Ok, das ganze bedeutete, dass ich jetzt eine Woche lang nichts mit kaltem Wasser machen darf. Nicht duschen, sondern nur Waschen mit lauwarmem Wasser, trinken nur heisses Wasser und nix essen, was den Körper von innen kühlt. Dazu gibt es (O-ton) "dust" und "anthoney drops" und so eine schwarze, eher übelriechende Flüssigkeit. Drei mal am Tag im Abstand von 6 Stunden nehme ich jetzt also einen halben Teelöffel Staub mit Ameisenhonig zu mir und würge danach zwei Esslöffel schwarze Suppe runter. Alles unter Chamaras wachsamen Blicken, der die strikte Einhaltung aller Regeln forciert.
Zusätzlich hat er mir einen kleinen Verband mit einer nicht ganz so übelriechenden Paste auf's Überbein gepatscht und das darf ich nach drei Tagen abnehmen.
Das ganze Erlebnis hat inklusive aller Medikamente ganze 500 Rupees gekostet. Nix.
Ich habe indessen das Gefühl, das Zeug macht mich ganz wirr im Körper und alles ist am Arbeiten. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt und kann sagen, der zweite Tag ohne Dusche am Äquator war geruchstechnisch auf jeden Fall noch zu ertragen. Der dritte hat mich schwach gemacht, ich musste ins Meer hüpfen.
Ich halte also ganz typisch so einigermassen alle Vorschriften ein und kann sagen, das Überbein ist noch da, aber wird sicherlich am 7. Tage einfach verschwinden :-) .
Coole Erfahrung auf jeden Fall. Überbein ist vielleicht nicht die beste Diagnose, um den Heilerfolg des Ayurveda auszutesten, aber es wird nicht das letzte Mal gewesen sein...
Saturday, 30 January 2016
Die Fischer
Nach einem wunderbar kulturellen Tag, mit Besuch im Martin Wikramasinghemuseum (wichtigster singhalesischer Schriftsteller), wo sein Leben beschrieben wird und die Singhalesische Kultur und Folklore ausgestellt sind, waren wir auf dem Heimweg und sind durch Galle gefahren.
Am Stadtstrand waren einige Fischer damit beschäftigt ein riesiges Netz an zwei Seilen aus dem Wasser zu ziehen. Ich schätze mal, es waren so um die 12 Männer.
Wir halten also an und Chamara, der ja aus einer Fischerfamilie stammt, springt vom Scooter und sagt freudestrahlend: "Help want!" und läuft los, um zu helfen. Helm aus, Schlapfen aus, Shirt aus, angepackt. Nach und nach kommen immer mehr Leute dazu, Einheimische, Touristen, sogar ein paar Frauen. Es scheint wohl auch eine häufigere Angelegenheit zu sein, so viele Touris da angefahren wurden.
Singend und rufend ziehen sie da am Seil die Fischer und lachen und scherzen und wirken im Grunde alle so, als hätten sie schon Spass an dem, was sie da machen.
Einige Touris halfen nur für das schnelle Foto mit, andere bis zum bitteren Ende. Ich glaube, wir waren etwa eine Stunde dort und ich habe zugesehen, wie schwer diese Arbeit ist, und wie viele Leute da mithelfen, und eben auch davon leben wollen, was am Ende im Netz ist.
12 Männer an den Seilen, 4 schwimmend im Wasser entlang der Ränder des Netzes und 2 auf einem Boot, das ganz weit draussen das Ende des Netzes markiert und die mit Armbewegungen den Männern am Strand signalisieren, welche Seite nun mehr oder weniger stark rausgezogen werden soll.
Tragisch war bei unserem Erlebnis, dass da am Ende nur sehr wenig Fisch im Netz war. Somit war die vorher so freudige Stimmung danach etwas getrübt.
Aber morgen ist ja auch noch ein Tag, hoffentlich mit mehr Fisch...
Thursday, 28 January 2016
Der Handleser
Wir haben uns endlich in der Hand lesen lassen.
Ich bin offen, kenne mich bei sehr vielen Sachen ein Bisschen aus, spiele gerne, bin gut in Sport und allem was mit Bewegung zu tun hat, möchte gewinnen, kann aber auch verlieren, habe ein starkes Herz und eine sehr ausgeprägte Lebenslinie, die mich 85 Jahre alt werden lässt.
All meine Linien sind stark und gut sichtbar, das ist wohl auch von Vorteil. In den nächsten zwei Jahren ist noch die Venus am Zuge und es wird mir ganz besonders gut gehen :-P .
Ich werde zwischen 35 und 55 noch mal umziehen und in meinem Job befördert, y, bzw. einen besseren bekommen und mein Leben ist im Allgemeinen sehr glücklich und schön. Ich werde wohl noch gut Geld verdienen hat er gesagt, vielleicht dann mit der Beförderung. Auf jeden Fall werde ich keine Sorgen haben. Das hört man doch gerne. :-)
Sanas Linien sind nicht ganz so klar, sie wird "nur" 75 Jahre alt, was also bedeutet, dass wir die Party zusammen verlassen, auch gut.
Sie sei wohl nicht so einfach zu händeln, habe ein sehr gutes Herz, sollte in einem helfenden Beruf arbeiten, besonders als Krankenschwester oder Ärztin oder als Lehrerin, wäre manchmal etwas (zu) temperamentvoll (wer hätte das gedacht, steht sogar in ihrer Hand :-P) und durch ihre grosse Wissbegierde wird sie viel im Leben lernen.
Geld wird sie nicht so viel haben, sich aber auch keine Sorgen um selbiges machen müssen, da es vollkommen ausreicht.
Da wir ja beide Stierchen sind, sind auch ihre beiden nächsten Jahre im Zeichen der Venus und sie wird es schön haben.
Der Handleser ist übrigens schon fast 80 Jahre alt, so gut wie blind, hat super tolle Hände und immer ein Lächeln auf den Lippen. Er hat zuerst ein paar Zauberformeln in sich rein genuschelt und dann unsere linke Hand begutachtet. Getätschelt, ins Licht gehalten, Linien nachgezogen. Fragen hat er viele gestellt und wir hatten ein sehr schönes Erlebnis mit ihm.
Zukunft enthüllt für 350 Rupees. Da kann man nix sagen :-)
Wednesday, 27 January 2016
Sri Lanka Schmankerl 5
Schild im Museum:
Please don't use cassettes, megaphones or other musical devices in these premises.
Wusste gar nicht, dass Scooter hier auch gehört wird :-P
Jeder, der einmal nach Sri Lanka kommt, sollte sich ein Birdbath in den Garten oder vor die Türe stellen. Das ist noch mal etwas ganz besonderes, diese vielen Vogelarten aus der Nähe betrachten zu können.
The Sri Lankan hour (Erzählungen hierzu weichen teils signifikant von meiner Erinnerung an die Erklärung im Museum ab, ich beschreibe es hier so, wie ich es mir gemerkt habe):
Früher hatten die Singhalesen zum Zeitmessen eine Schale Wasser, in der eine halbe Kokosnussschale schwamm, die unten ein kleines Loch hatte. Durch dieses Loch sickerte das Wasser nach oben und füllte die Schale, bis sie schliesslich sank. Das ganze dauerte genau 24 Minuten, eine sri lankanische Stunde. Ein Tag hatte in Sri Lanka also 60 Stunden.
Von Chamaras Neffen bekomme ich jetzt jeden Tag einen neuen Namen, zuerst war ich "Hello", dann " Chami", zuletzt war ich "Vihangi", das ist die weibliche Form seines eigenen Namens (Vihange). Zuckersüss!
Tuktuksprüche:
Neben dem klassischen Scherenschnitt des Comandante:
Cheguwra, Freedom for Kingdon (genau so und nicht anders geschrieben) 0.o
Wednesday, 20 January 2016
Der Singhalese und ich
Nähkästchen muss ja auch mal sein, deshalb öffne ich es hiermit und erzähle mal ein wenig von meiner interkulturellen Beziehung.
Ich bin unendlich froh, diesen Schritt getan zu haben, einfach so mir nichts, dir nichts wieder nach Sri Lanka zu fliegen. Ich kann hier unheimlich viel lernen über die singhalesische Kultur und wie es eigentlich wirklich ist als Fremde in einem Land zu sein und mit einem Einheimischen zusammen zu sein.
Es hat von allem etwas, es ist schön, manchmal anstrengend, aufregend und manchmal aufwühlend, es stellt Dich andauernd auf die Probe und doch lehrt es Dich, gelassen und ruhig zu bleiben.
Beginnen wir mal mit ein paar lustigen Dschungelgeschichten:
Chamara hat seine ganz eigenen Weisheiten. Neulich war ein Mosquito im Schlafzimmer, und er meint nur: "One man, one mosquito, no Problem!" Ja, ja, als ob das Viech ihn stechen würde...
Grosse Spinnen gibt es. Haarig, handteller gross und ziemlich verflixt schnell. Ich hatte ihn gebeten, diesen netten Gast doch evtl. raus zu befördern, das wollte er aber nicht, da er ihr dann vielleicht die Beine bricht und das wäre ja nicht nett. Ausserdem behauptet er einfach: "This is nice spider. Sometimes nighttime it walks on my arm. I like! It's spider massage." ?!?!?!?!? Brrrrrrrrrrrrrr.
Unrasierte, pieksige Beine hatte ich. Er lächelt mich verzückt an und sagt: "Ah, jackfruit legs. No problem, now jackfruit season."
Streiten tun sie gerne. Zu einem anständigen Partyabend gehört zumindest auch eine anständige Diskussion.
Manchmal kann das ganz schön herausfordernd sein, vor allem, wenn man eine Sprachbarriere zwischen sich hat, die mit zunehmend höherem Alkoholpegel auch nicht kleiner wird... Bis dato ließ sich aber alles so lösen, dass wir danach gegenseitig wieder etwas mehr über das Innen- und Aussenleben des anderen verstanden haben.
Interkulturelle Herausforderungen hab ich auf jeden Fall nicht zu wenige.
Die vielen Regeln, die es hier zu beachten gibt, um als Frau nicht direkt in die schlampige Touristinnen Schublade gesteckt zu werden sind manchmal ziemlich anstrengend. Chamara sagt es schon richtig: "In Sri Lanka, boys have many freedoms. Girls no freedom."
Ja, und so ist es auch irgendwie. Kein local girl würde hier auf die Idee kommen öffentlich zu rauchen, Colombo Mädels mal ausgenommen. Die dürfen alles, haben aber auch den Ruf crazy und überheblich zu sein. Das kann man als Europäerin definitiv auch machen, hat dann aber auch schnell den dazugehörigen Ruf.
Die hiesigen beachside Jungs machen Party, saufen, rauchen, tanzen, flirten und schleppen die Tourimädels ab. Dafür nimmt die aber auch kein local girl mehr zum Mann. Einmal beachboy, immer beachboy.
In vielen traditionellen Familien wird auch wirklich noch das Laken nach der Hochzeitsnacht kontrolliert. Ob nun love oder arranged marriage. Nicht selten schneiden die Jungs sich in den Finger, um ein paar Blutstropfen auf der weissen Wäsche vorzuweisen.
Meine grösste Übung hier ist es, Situationen als das wahrzunehmen, was sie sind; Situationen, Momentaufnahmen, die als solche erstmal existieren, mehr nicht. Die Kunst ist es nun, keine Wertung vorzunehmen, sondern alles nur wahrzunehmen und abzuwarten. Oftmals ist der erste Eindruck, oder das erste Verständnis einer Situation vollkommen falsch und oft kann es passieren, dass die Reaktion auf diese Fehlinterprätation dazu führt, alles zu verkomplizieren. Wartet man jedoch ab, wertet nicht, sondern ist nurmehr Zuschauer des ganzen, hat man viel mehr Möglichkeiten zu verstehen oder bei Bedarf auch einzugreifen oder zu vermitteln. Ich habe hier genügend Möglichkeiten genau das zu üben und zu verbessern und bin froh sagen zu können, dass mir das ganz gut gelingt. Ich habe viel an Geduld dazu gewonnen, was mir wohl kaum schaden kann :-) .
Auf der anderen Seite gibt es unheimlich viele tolle, süße und lustige Momente hier. Es hat irgendwie was, im Schutze des Tuktuks heimlich Händchen zu halten und sich verstohlene Blicke zuzuwerfen. Auch Dschungelwissen und Dschungelmythen sorgen immer wieder für Staunen und Gelächter. Ich kann nur sagen, dass ich da einen ganz besonderen Menschen kennen gelernt habe und sehr froh bin ,so viel von ihm lernen zu können. Er lernt von mir auch viel. Und ich merke wie jeden Tag unser Verständnis für des anderen Kultur und Herkunft wächst und wächst.
Die letzte Woche war für uns alle, Chamara, Sana und mich, eine ganz wichtige. Wir haben noch mal ein paar große Schritte getan in Richtung Vertrauen und Zusammengehörigkeitsgefühl. Es tut gut, wieder unserem eigenen Rhythmus folgen zu können, da wir jetzt wieder alleine sind. So schön es war mit Besuch, so schön ist es jetzt auch, wieder vollkommen rücksichtslos sein zu können :-P .
Natürlich denke ich zwischendurch auch darüber nach, wie es sein wird sich zu verabschieden und nicht zu wissen, was kommt. So eine Beziehung auf Zeit ist eine schräge Erfahrung. Aber vielleicht ist es ja auch noch nicht das Ende, wenn ich heim fliege im März. Entscheiden werde ich das aber alles erst, wenn es dann so weit ist. Aber froh bin ich, sehr froh darüber, wie mein Leben verläuft und dass ich die Menschen treffe, die ich treffe.
So long! Love!
Familiäre Einblicke
Wie häufiger in letzter Zeit sitze ich auf der Rückseite von Chamaras kleiner Hütte und schaue dem Treiben der Frauen hier zu. Der Neffe mag mich mittlerweile sehr und liebt es, mir Blumen, Steine und andere tolle Geschenke zu bringen.
Seit ein paar Tagen ist es soweit, dass ich mich nicht mehr als umsorgter Gast, sondern eher als Teil des Gewusels fühle.
Sprachlich bin ich hier sehr gefordert, da nur die beiden älteren Schwestern ein paar Worte Englisch sprechen. So kommt es also, dass zumindest mein Kochvokabular immer besser wird, da mich natürlich brennend interessiert, was und wie die Mama heute kocht.
Eine Situation neulich hat mich dann doch besonders berührt. Ich sass hier hinten auf den Stufen und hab gelesen, während Chamara noch "schnell" duschen wollte. Die Mutter hat gespült am Brunnen, der Sohn sich gewaschen, die Schwestern sich die Haare entlaust (keine Angst, ich bringe keine mit) und der Neffe ist um uns herum gerannt. Geduscht wird auch am Brunnen und ein Duschgang braucht ca. 15 Eimer Wasser, die alle auvh aus dem recht tiefen Brunnen hochgeholt werden wollen. Und zum Duschen trägt Mann einen Sarong, eine Art Männerrock, damit einem die Frauen nix weg gucken.
Irgendwann sagt Chamara was zu seiner Mutter, geht in die Hocke und sie nimmt so ein altes Fischernetzt und schrubbt ihm den Rücken ab. Das hatte so was herrlich Intimes und Unschuldiges und Nahes, das hat mich ziemlich berührt.
Viel hat sie hier wirklich nicht diese kleine Familie, aber sie halten sehr fest zusammen und sind ein gut eingespieltes Team. Jeder erledigt seine Aufgaben und alle lachen oft und herzlich miteinander.
Zum Glück bietet der Garten meist genug zum Essen für alle und das Einkommen der jüngsten Schwester sichert zumindest die Miete und ein paar Extras. Chamara wird wohl nach meiner Abreise wieder nach Colombo oder Galle auf den Bau arbeiten gehen. Aber viel ist das alles wirklich nicht.
Die Tage habe ich mal die Gemüsevorräte aufgefüllt, da es wirklich nur noch Reis und Dhal gab und die Mutter schon ganz traurig war, mir nur ein Gericht anbieten zu können (rice and curry sind hier immer mindestens drei Beilagen mit Reis, eher 5).
Die Tage zu zweit haben meinen Singhalafortschritten sehr gut getan. Einkaufen kann ich jetzt und bestellen an der Bar und Dinge nachfragen, wie Preise, Mengen, Namen und was man sonst noch so alles wissen muss. Es geht also weiterhin voran :-).
Ich hoffe, der Winter hat Euch alle nicht zu sehr in seinem Griff und es geht Euch gut.
F*
Friday, 15 January 2016
Der Geburtstag
Chamaras Schwester hatte Geburtstag am 13.1. und wir waren alle eingeladen.
Chamara und ich sind am Abend zuvor noch schnell zum Metzger gefahren und haben ihr als Geburtstagsgeschenk 2 kg Hühnerbrust gekauft. Fleisch gibt es bei ihnen nur zu genau ausgewählten Anlässen, da sie sich das eigentlich nicht leisten können.
Wir zwei sind direkt schon morgens zu ihm heim und ich durfte beim Kochen helfen. Na ja, also eher zuschauen. Das einzige was ich machen durfte, war 20 Eier aufschlagen :D. Aber immerhin. Es war super cool zu sehen, wie die Mädels da kochen.
Zuerst wurde der Reis aufgestellt und Gemüse geschnitten. Dazu setzte sich die mittlere Schwester, die auch Geburtstag hatte, auf einen kleinen Hocker, klemmte sich ein Messer zwischen die Zehen und produzierte den feinsten Julienneschnitt von Karotten, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch und Bohnen.
Danach ging es ans Chicken. Das wurde ebenso mit dem Fußmesser zerkleinert und dann gewürzt. Das Gewürzregal der Mama entspricht in etwa meinem, sie hat Berge von kleinen, mittleren und großen Dosen, die alle toll nach etwas anderem riechen.
In der Zwischenzeit wurde eine zweite Feuerstelle draussen aufgebaut, wo dann alles angebraten, mit Wasser aufgefüllt und zugedeckt eine halbe Stunde kochen gelassen wurde. Da wurde am Anfang das Feuer noch mal richtig geschürt und ein grösserer Ast aufgelegt und dann hat sie das einfach runter brennen lassen, danach war es fertig.
Dazu gab es noch Mushroomcurry, Papadoms, Omelette, Dhal und eben Reis mit Gemüse und Ei.
Den ganzen Tag lang wurde gekocht und gefegt und alles hergerichtet und ich dazwischen mit meinem Rezeptbuch und meinen paar Worten Singhala. Es war super.
Geschmeckt hat es auch fabelhaft. Selbst unsere zwei Vegetarierinnen haben beim Chicken nicht ablehnen können und sich sogar ein Bisschen nach genommen. Am Nachmittag hat Chamara dann noch die Flasche Arrack rausgeholt und wir haben uns gemeinsam mit dem Onkel, der das Dach gemacht hat, in den Dschungel verzogen und jeweils ein Gläschen und eine frische Coconut getrunken.
Insgesamt ein super Tag mit viel Gelächter und leider auch ein wenig Drama, da sich die mittlere Schwester gerade von ihrem Mann trennt und der kurz aufgetaucht ist.
Stink besoffen kam er an und hat Geschenke gebracht, die zunächst angenommen wurden, dann aber, als er nicht wieder gehen wollte, von der geballten Frauenpower einfach ins Gebüsch gepfeffert wurden während Chamara ihn wild schreiend, gestikulierend und mit einem Stock drohend vom Hof gejagt hat.
Kurzfristig etwas beängstigend, aber hat sich dann zum Glück schnell wieder aufgelöst.
Alle waren natürlich etwas aufgewühlt und die Mädels haben sich doch mehrmals bei uns entschuldigt. Können sie ja auch nix für.
Mir ist dann noch mal klar geworden, dass es schon krass ist hier in Sri Lanka, der einzige Mann in der Familie zu sein. Und das schon seit 21 Jahren. Ganz schön viel Verantwortung.
Der Ehemann ist wohl ein ganz Unguter und ich will mir gar nicht vorstellen, was der mit der Schwester so alles angestellt hat. Angezeigt haben sie ihn auch schon, was wohl so ähnlich wirkt wie eine Scheidung hier in Sri Lanka. Chamara hat dann auch noch erklärt, dass man als Mann eben nie auf die Idee kommen sollte, unangemeldet zu einem Haus zu kommen, in dem wissentlich nur Frauen wohnen.
Zum Glück ist der nächste Nachbar ein Verwandter von der Mama und hat auch oft ein Auge auf Chamaras Familie.
Alles in allem war es aber ein wunderschöner Tag. Die Oma war auch da und der Neffe hat sich über so viel Trubel gefreut. Es wurde königlich gespeist und gelacht und geredet.
Bei uns zu Hause haben sich die Wogen wieder geglättet und der Lagerkoller ist passé. Gestern sind die drei Festivalanten dann in ihrem gemieteten Tuktuk aufgebrochen und am Abend schon sicher bei der ersten Zwischenstation angekommen.
Chamara und ich haben den ganzen Tag Carrom gespielt und abends auf der Terasse einen Film auf dem Tablet geschaut. Entspannt, lustig und schön.
In diesem Sinne...
:*, F*
Monday, 11 January 2016
Mistverständnisse und Gedanken denken
Nach einem Monat guter Laune folgen also auch mal ein paar Tage nachdenklicher Stille.
Neben Verständigungsproblemen, Sprachbarrieren und emotionalen Ausbrüchen halten wir aber alle unsere Ohren steif. Sana, Lena und Peter machen sich bereit auf's Festival zu fahren und ich freue mich auf zwei geruhsame Wochen mit Chamara.
Details gibt es hierzu keine, nur so viel, dass es eben auch mal knallt, wenn man so lange und zu so Vielen zusammen ist und auch noch kulturelle Barrieren zwischen sich hat.
Hatte ich nicht vorher noch geschrieben, wie erstaunlich gut alles klappt? Typisch...
Ich denke momentan viel nach, über Zuhause, das Leben und das was morgen kommt, das was gestern war und vielleicht ein kleines Bisschen auch über Übermorgen. Aber das nur so bedingt.
Ich merke, dass ich wieder reif bin für ein wenig Stille. Wie gut, dass die jetzt kommt.
Mit Chamara habe ich wieder eine Scootertour gemacht und wir sind fast 200 km durch die Berge gefahren. Gefroren haben wir, nassgeregnet wurden wir und wunderschöne Landschaften haben wir gesehen. Davon kann ich fast nicht genug bekommen von diesen Ausblicken, den Gerüchen, dem Grün.
Das Highlight waren diesmal zwei tanzende Pfauenmänner, die uns ihr prachtvolles Rad geschlagen haben. Inmitten einer Teeplantage sind sie da entlang stolziert, diese bildhübschen Vögel.
Das erste Drittel meiner Zeit hier ist nun schon vorbei und irgendwie erlebe ich das alles als eine Art Wendepunkt. Ab jetzt wird es anders. Wie und warum, das weiss ich noch nicht, aber ich hab da so was im Gefühl.
Ich bin nach wie vor unglaublich dankbar dafür, das alles erleben zu dürfen und aber eben gerade auch sehr froh darüber, zu wissen, wer da daheim und überall sonst auf der Welt so auf mich wartet und an mich denkt.
Mir geht es auf jeden Fall gut und ich bin auch zuversichtlich, dass die Denkphase bald wieder um ist. Zu viel Gedenke hat mir noch nie gut getan und steht mir auch einfach nicht. Fühlen will ich und leben, und das tue ich ja zum Glück auch!
Liebe!
Sunday, 10 January 2016
Voll volle Hütte
Es ist sehr schön, dass wir so volles Haus haben. Fast eine Woche lang waren wir zu sechst und haben auch einen erneuten Ra-Ausflug gemacht.
Alle zusammen, Sana, Lena, Peter, Flo, Chamara und ich plus Suranga in seinem Tuktuk, voll Indianstyle! Durch die landside ist das überhaupt kein Problem, da wird nicht kontrolliert. Hinten 5, vorne zwei. Laute Musik und ab dafür!
Ich glaub diesmal haben wir 6 Flaschen geschafft, waren aber ja auch mehr :-P . Zwei noch zum Mitnehmen und dann zu Surangas Familie zum Essen.
Shiromi hat sich selbst übertroffen und uns herrlichst bekocht.
Die wohnen absolut genial, in einer kleinen Siedlung mitten im Dschungel, aber sehr nachbarschaftlich mit unmengen von Kindern und Freunden rechts und links. Die Frauen dort spinnen aus Koskosfasern Kokosseile und zwar über ein Spinnrad aus einer alten Fahrradfelge. An jedem Haus dort liegt so ein Haufen Fasern und die Frauen verdienen so ein wenig Geld dazu.
Sana, Lena und ich haben uns dann noch herrlich verausgabt im Spiel mit Surangas Kibdern. Netmi, die Tochter, ist ca. 5 und Ramesh, der Sohn, so um die 10. Sie ist das absolute Energiebündel und verspielt und offen und lacht die ganze Zeit. Er ist eher schüchtern und etwas zurückhaltend. Lenni hätte seine wahre Freudemit Ihnen gehabt, denn sie sind die tollsten Monkeykinder, die kann man hoch schmeissen und sie wissen direkt, wo sie landen. Die klettern Dir schneller auf die Schultern, als Du "stop" sagen kannst und haben ein wirklich bemerkenswertes Körperbewusstsein. Grosses Spasspotential!
Zum krönenden Abschluss wurden wir dann noch zu einer Lagune geführt. Spazieren also durch die grünsten Reisfelder, zwischen den singenden Vögeln zu einem wunderschönen "See". Surange uns seine zwei Kinder sind sofort reingesprungen und haben wild rumgetobt und er ist sogar ein ganzes Stück weit geschwommen (viele hier können nicht schwimmen).
Am Ufer standen die Palmen und über dem Wasser ging langsam die Sonne unter. Nicht weit von uns trieb ein Boot mit Mönchen, die gerade Ihren Abendgesang sangen.
Sri Lanka ist immer wieder voll von solch magischen Momenten.
Der Sari
Ich habe mir als Weihnachtsgeschenk einen Sari gekauft.
So einen wunderschönen mit schimmernder Borte und changierenden Farben. In rot, orange und etwas lila. Jetzt liegt alles bei der Schneiderin, die mir noch eine Bluse und einen Unterrock dazu näht. Ich bin schon sehr gespannt.
Im Gegensatz zu den Inderinnen tragen in Sri Lanka viel weniger Frauen Saris. Lehrerinnen, Frauen in office- oder government Jobs oder Ärztinnen gehören zu den wenigen, deren Alltagsoutfit ein Sari ist. Ansonsten wird er nur zu Hochzeiten oder anderen besonderen Festen ausgepackt. In den meisten ärmeren Familien besitzen die Frauen gar keinen, sondern leihen sich bei Bedarf einen aus.
Auch das komplizierte Binden beherrschen die meisten Frauen aus ärmlicheren Verhältnissen gar nicht mehr, höchstens die Oma noch.
Chamaras Schwester war so lieb mit mir zur Schneiderin zu fahren und hat mir den local Preis rausgeschlagen.
Hoffentlich hat die Schneiderin auch noch Zeit, mir das Anziehen zu zeigen ;-) .