Saturday, 30 January 2016

Die Fischer

Nach einem wunderbar kulturellen Tag, mit Besuch im Martin Wikramasinghemuseum (wichtigster singhalesischer Schriftsteller), wo sein Leben beschrieben wird und die Singhalesische Kultur und Folklore ausgestellt sind, waren wir auf dem Heimweg und sind durch Galle gefahren.
Am Stadtstrand waren einige Fischer damit beschäftigt ein riesiges Netz an zwei Seilen aus dem Wasser zu ziehen. Ich schätze mal, es waren so um die 12 Männer.
Wir halten also an und Chamara, der ja aus einer Fischerfamilie stammt, springt vom Scooter und sagt freudestrahlend: "Help want!" und läuft los, um zu helfen. Helm aus, Schlapfen aus, Shirt aus, angepackt. Nach und nach kommen immer mehr Leute dazu, Einheimische, Touristen, sogar ein paar Frauen. Es scheint wohl auch eine häufigere Angelegenheit zu sein, so viele Touris da angefahren wurden.
Singend und rufend ziehen sie da am Seil die Fischer und lachen und scherzen und wirken im Grunde alle so, als hätten sie schon Spass an dem, was sie da machen.
Einige Touris halfen nur für das schnelle Foto mit, andere bis zum bitteren Ende. Ich glaube, wir waren etwa eine Stunde dort und ich habe zugesehen, wie schwer diese Arbeit ist, und wie viele Leute da mithelfen, und eben auch davon leben wollen, was am Ende im Netz ist.
12 Männer an den Seilen, 4 schwimmend im Wasser entlang der Ränder des Netzes und 2 auf einem Boot, das ganz weit draussen das Ende des Netzes markiert und die mit Armbewegungen den Männern am Strand signalisieren, welche Seite nun mehr oder weniger stark rausgezogen werden soll.
Tragisch war bei unserem Erlebnis, dass da am Ende nur sehr wenig Fisch im Netz war. Somit war die vorher so freudige Stimmung danach etwas getrübt.
Aber morgen ist ja auch noch ein Tag, hoffentlich mit mehr Fisch...

Thursday, 28 January 2016

Der Handleser

Wir haben uns endlich in der Hand lesen lassen.

Ich bin offen, kenne mich bei sehr vielen Sachen ein Bisschen aus, spiele gerne, bin gut in Sport und allem was mit Bewegung zu tun hat, möchte gewinnen, kann aber auch verlieren, habe ein starkes Herz und eine sehr ausgeprägte Lebenslinie, die mich 85 Jahre alt werden lässt.
All meine Linien sind stark und gut sichtbar, das ist wohl auch von Vorteil. In den nächsten zwei Jahren ist noch die Venus am Zuge und es wird mir ganz besonders gut gehen :-P .
Ich werde zwischen 35 und 55 noch mal umziehen und in meinem Job befördert, y, bzw. einen besseren bekommen und mein Leben ist im Allgemeinen sehr glücklich und schön. Ich werde wohl noch gut Geld verdienen hat er gesagt, vielleicht dann mit der Beförderung. Auf jeden Fall werde ich keine Sorgen haben. Das hört man doch gerne. :-)

Sanas Linien sind nicht ganz so klar, sie wird "nur" 75 Jahre alt, was also bedeutet, dass wir die Party zusammen verlassen, auch gut.
Sie sei wohl nicht so einfach zu händeln, habe ein sehr gutes Herz, sollte in einem helfenden Beruf arbeiten, besonders als Krankenschwester oder Ärztin oder als Lehrerin, wäre manchmal etwas (zu) temperamentvoll (wer hätte das gedacht, steht sogar in ihrer Hand :-P) und durch ihre grosse Wissbegierde wird sie viel im Leben lernen.
Geld wird sie nicht so viel haben, sich aber auch keine Sorgen um selbiges machen müssen, da es vollkommen ausreicht.
Da wir ja beide Stierchen sind, sind auch ihre beiden nächsten Jahre im Zeichen der Venus und sie wird es schön haben.

Der Handleser ist übrigens schon fast 80 Jahre alt, so gut wie blind, hat super tolle Hände und immer ein Lächeln auf den Lippen. Er hat zuerst ein paar Zauberformeln in sich rein genuschelt und dann unsere linke Hand begutachtet. Getätschelt, ins Licht gehalten, Linien nachgezogen. Fragen hat er viele gestellt und wir hatten ein sehr schönes Erlebnis mit ihm.
Zukunft enthüllt für 350 Rupees. Da kann man nix sagen :-)

Wednesday, 27 January 2016

Sri Lanka Schmankerl 5

Schild im Museum:
Please don't use cassettes, megaphones or other musical devices in these premises.
Wusste gar nicht, dass Scooter hier auch gehört wird :-P

Jeder, der einmal nach Sri Lanka kommt, sollte sich ein Birdbath in den Garten oder vor die Türe stellen. Das ist noch mal etwas ganz besonderes, diese vielen Vogelarten aus der Nähe betrachten zu können.

The Sri Lankan hour (Erzählungen hierzu weichen teils signifikant von meiner Erinnerung an die Erklärung im Museum ab, ich beschreibe es hier so, wie ich es mir gemerkt habe):
Früher hatten die Singhalesen zum Zeitmessen eine Schale Wasser, in der eine halbe Kokosnussschale schwamm, die unten ein kleines Loch hatte. Durch dieses Loch sickerte das Wasser nach oben und füllte die Schale, bis sie schliesslich sank. Das ganze dauerte genau 24 Minuten, eine sri lankanische Stunde. Ein Tag hatte in Sri Lanka also 60 Stunden.

Von Chamaras Neffen bekomme ich jetzt jeden Tag einen neuen Namen, zuerst war ich "Hello", dann " Chami", zuletzt war ich "Vihangi", das ist die weibliche Form seines eigenen Namens (Vihange). Zuckersüss!

Tuktuksprüche:
Neben dem klassischen Scherenschnitt des Comandante:
Cheguwra, Freedom for Kingdon (genau so und nicht anders geschrieben) 0.o

Wednesday, 20 January 2016

Der Singhalese und ich

Nähkästchen muss ja auch mal sein, deshalb öffne ich es hiermit und erzähle mal ein wenig von meiner interkulturellen Beziehung.

Ich bin unendlich froh, diesen Schritt getan zu haben, einfach so mir nichts, dir nichts wieder nach Sri Lanka zu fliegen. Ich kann hier unheimlich viel lernen über die singhalesische Kultur und wie es eigentlich wirklich ist als Fremde in einem Land zu sein und mit einem Einheimischen zusammen zu sein.
Es hat von allem etwas, es ist schön, manchmal anstrengend, aufregend und manchmal aufwühlend, es stellt Dich andauernd auf die Probe und doch lehrt es Dich, gelassen und ruhig zu bleiben.

Beginnen wir mal mit ein paar lustigen Dschungelgeschichten:
Chamara hat seine ganz eigenen Weisheiten. Neulich war ein Mosquito im Schlafzimmer, und er meint nur: "One man, one mosquito, no Problem!" Ja, ja, als ob das Viech ihn stechen würde...
Grosse Spinnen gibt es. Haarig, handteller gross und ziemlich verflixt schnell. Ich hatte ihn gebeten, diesen netten Gast doch evtl. raus zu befördern, das wollte er aber nicht, da er ihr dann vielleicht die Beine bricht und das wäre ja nicht nett. Ausserdem behauptet er einfach: "This is nice spider. Sometimes nighttime it walks on my arm. I like! It's spider massage." ?!?!?!?!? Brrrrrrrrrrrrrr.
Unrasierte, pieksige Beine hatte ich. Er lächelt mich verzückt an und sagt: "Ah, jackfruit legs. No problem, now jackfruit season."

Streiten tun sie gerne. Zu einem anständigen Partyabend gehört zumindest auch eine anständige Diskussion.
Manchmal kann das ganz schön herausfordernd sein, vor allem, wenn man eine Sprachbarriere zwischen sich hat, die mit zunehmend höherem Alkoholpegel auch nicht kleiner wird... Bis dato ließ sich aber alles so lösen, dass wir danach gegenseitig wieder etwas mehr über das Innen- und Aussenleben des anderen verstanden haben.
Interkulturelle Herausforderungen hab ich auf jeden Fall nicht zu wenige.
Die vielen Regeln, die es hier zu beachten gibt, um als Frau nicht direkt in die schlampige Touristinnen Schublade gesteckt zu werden sind manchmal ziemlich anstrengend. Chamara sagt es schon richtig: "In Sri Lanka, boys have many freedoms. Girls no freedom."
Ja, und so ist es auch irgendwie. Kein local girl würde hier auf die Idee kommen öffentlich zu rauchen, Colombo Mädels mal ausgenommen. Die dürfen alles, haben aber auch den Ruf crazy und überheblich zu sein. Das kann man als Europäerin definitiv auch machen, hat dann aber auch schnell den dazugehörigen Ruf.
Die hiesigen beachside Jungs machen Party, saufen, rauchen, tanzen, flirten und schleppen die Tourimädels ab. Dafür nimmt die aber auch kein local girl mehr zum Mann. Einmal beachboy, immer beachboy.

In vielen traditionellen Familien wird auch wirklich noch das Laken nach der Hochzeitsnacht kontrolliert. Ob nun love oder arranged marriage. Nicht selten schneiden die Jungs sich in den Finger, um ein paar Blutstropfen auf der weissen Wäsche vorzuweisen.

Meine grösste Übung hier ist es, Situationen als das wahrzunehmen, was sie sind; Situationen, Momentaufnahmen, die als solche erstmal existieren, mehr nicht. Die Kunst ist es nun, keine Wertung vorzunehmen, sondern alles nur wahrzunehmen und abzuwarten. Oftmals ist der erste Eindruck, oder das erste Verständnis einer Situation vollkommen falsch und oft kann es passieren, dass die Reaktion auf diese Fehlinterprätation dazu führt, alles zu verkomplizieren. Wartet man jedoch ab, wertet nicht, sondern ist nurmehr Zuschauer des ganzen, hat man viel mehr Möglichkeiten zu verstehen oder bei Bedarf auch einzugreifen oder zu vermitteln. Ich habe hier genügend Möglichkeiten genau das zu üben und zu verbessern und bin froh sagen zu können, dass mir das ganz gut gelingt. Ich habe viel an Geduld dazu gewonnen, was mir wohl kaum schaden kann :-) .

Auf der anderen Seite gibt es unheimlich viele tolle, süße und lustige Momente hier. Es hat irgendwie was, im Schutze des Tuktuks heimlich Händchen zu halten und sich verstohlene Blicke zuzuwerfen. Auch Dschungelwissen und Dschungelmythen sorgen immer wieder für Staunen und Gelächter. Ich kann nur sagen, dass ich da einen ganz besonderen Menschen kennen gelernt habe und sehr froh bin ,so viel von ihm lernen zu können. Er lernt von mir auch viel. Und ich merke wie jeden Tag unser Verständnis für des anderen Kultur und Herkunft wächst und wächst.

Die letzte Woche war für uns alle, Chamara, Sana und mich, eine ganz wichtige. Wir haben noch mal ein paar große Schritte getan in Richtung Vertrauen und Zusammengehörigkeitsgefühl. Es tut gut, wieder unserem eigenen Rhythmus folgen zu können, da wir jetzt wieder alleine sind. So schön es war mit Besuch, so schön ist es jetzt auch, wieder vollkommen rücksichtslos sein zu können :-P .

Natürlich denke ich zwischendurch auch darüber nach, wie es sein wird sich zu verabschieden und nicht zu wissen, was kommt. So eine Beziehung auf Zeit ist eine schräge Erfahrung. Aber vielleicht ist es ja auch noch nicht das Ende, wenn ich heim fliege im März. Entscheiden werde ich das aber alles erst, wenn es dann so weit ist. Aber froh bin ich, sehr froh darüber, wie mein Leben verläuft und dass ich die Menschen treffe, die ich treffe.

So long! Love!



Familiäre Einblicke

Wie häufiger in letzter Zeit sitze ich auf der Rückseite von Chamaras kleiner Hütte und schaue dem Treiben der Frauen hier zu. Der Neffe mag mich mittlerweile sehr und liebt es, mir Blumen, Steine und andere tolle Geschenke zu bringen.
Seit ein paar Tagen ist es soweit, dass ich mich nicht mehr als umsorgter Gast, sondern eher als Teil des Gewusels fühle.
Sprachlich bin ich hier sehr gefordert, da nur die beiden älteren Schwestern ein paar Worte Englisch sprechen. So kommt es also, dass zumindest mein Kochvokabular immer besser wird, da mich natürlich brennend interessiert, was und wie die Mama heute kocht.
Eine Situation neulich hat mich dann doch besonders berührt. Ich sass hier hinten auf den Stufen und hab gelesen, während Chamara noch "schnell" duschen wollte. Die Mutter hat gespült am Brunnen, der Sohn sich gewaschen, die Schwestern sich die Haare entlaust (keine Angst, ich bringe keine mit) und der Neffe ist um uns herum gerannt. Geduscht wird auch am Brunnen und ein Duschgang braucht ca. 15 Eimer Wasser, die alle auvh aus dem recht tiefen Brunnen hochgeholt werden wollen. Und zum Duschen trägt Mann einen Sarong, eine Art Männerrock, damit einem die Frauen nix weg gucken.
Irgendwann sagt Chamara was zu seiner Mutter, geht in die Hocke und sie nimmt so ein altes Fischernetzt und schrubbt ihm den Rücken ab. Das hatte so was herrlich Intimes und Unschuldiges und Nahes, das hat mich ziemlich berührt.
Viel hat sie hier wirklich nicht diese kleine Familie, aber sie halten sehr fest zusammen und sind ein gut eingespieltes Team. Jeder erledigt seine Aufgaben und alle lachen oft und herzlich miteinander.
Zum Glück bietet der Garten meist genug zum Essen für alle und das Einkommen der jüngsten Schwester sichert zumindest die Miete und ein paar Extras. Chamara wird wohl nach meiner Abreise wieder nach Colombo oder Galle auf den Bau arbeiten gehen. Aber viel ist das alles wirklich nicht.
Die Tage habe ich mal die Gemüsevorräte aufgefüllt, da es wirklich nur noch Reis und Dhal gab und die Mutter schon ganz traurig war, mir nur ein Gericht anbieten zu können (rice and curry sind hier immer mindestens drei Beilagen mit Reis, eher 5).
Die Tage zu zweit haben meinen Singhalafortschritten sehr gut getan. Einkaufen kann ich jetzt und bestellen an der Bar und Dinge nachfragen, wie Preise, Mengen, Namen und was man sonst noch so alles wissen muss. Es geht also weiterhin voran :-).
Ich hoffe, der Winter hat Euch alle nicht zu sehr in seinem Griff und es geht Euch gut.
F*

Friday, 15 January 2016

Der Geburtstag

Chamaras Schwester hatte Geburtstag am 13.1. und wir waren alle eingeladen.
Chamara und ich sind am Abend zuvor noch schnell zum Metzger gefahren und haben ihr als Geburtstagsgeschenk 2 kg Hühnerbrust gekauft. Fleisch gibt es bei ihnen nur zu genau ausgewählten Anlässen, da sie sich das eigentlich nicht leisten können.
Wir zwei sind direkt schon morgens zu ihm heim und ich durfte beim Kochen helfen. Na ja, also eher zuschauen. Das einzige was ich machen durfte, war 20 Eier aufschlagen :D. Aber immerhin. Es war super cool zu sehen, wie die Mädels da kochen.
Zuerst wurde der Reis aufgestellt und Gemüse geschnitten. Dazu setzte sich die mittlere Schwester, die auch Geburtstag hatte, auf einen kleinen Hocker, klemmte sich ein Messer zwischen die Zehen und produzierte den feinsten Julienneschnitt von Karotten, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch und Bohnen.
Danach ging es ans Chicken. Das wurde ebenso mit dem Fußmesser zerkleinert und dann gewürzt. Das Gewürzregal der Mama entspricht in etwa meinem, sie hat Berge von kleinen, mittleren und großen Dosen, die alle toll nach etwas anderem riechen.
In der Zwischenzeit wurde eine zweite Feuerstelle draussen aufgebaut, wo dann alles angebraten, mit Wasser aufgefüllt und zugedeckt eine halbe Stunde kochen gelassen wurde. Da wurde am Anfang das Feuer noch mal richtig geschürt und ein grösserer Ast aufgelegt und dann hat sie das einfach runter brennen lassen, danach war es fertig.
Dazu gab es noch Mushroomcurry, Papadoms, Omelette, Dhal und eben Reis mit Gemüse und Ei.
Den ganzen Tag lang wurde gekocht und gefegt und alles hergerichtet und ich dazwischen mit meinem Rezeptbuch und meinen paar Worten Singhala. Es war super.
Geschmeckt hat es auch fabelhaft. Selbst unsere zwei Vegetarierinnen haben beim Chicken nicht ablehnen können und sich sogar ein Bisschen nach genommen. Am Nachmittag hat Chamara dann noch die Flasche Arrack rausgeholt und wir haben uns gemeinsam mit dem Onkel, der das Dach gemacht hat, in den Dschungel verzogen und jeweils ein Gläschen und eine frische Coconut getrunken.
Insgesamt ein super Tag mit viel Gelächter und leider auch ein wenig Drama, da sich die mittlere Schwester gerade von ihrem Mann trennt und der kurz aufgetaucht ist.
Stink besoffen kam er an und hat Geschenke gebracht, die zunächst angenommen wurden, dann aber, als er nicht wieder gehen wollte, von der geballten Frauenpower einfach ins Gebüsch gepfeffert wurden während Chamara ihn wild schreiend, gestikulierend und mit einem Stock drohend vom Hof gejagt hat.
Kurzfristig etwas beängstigend, aber hat sich dann zum Glück schnell wieder aufgelöst.
Alle waren natürlich etwas aufgewühlt und die Mädels haben sich doch mehrmals bei uns entschuldigt. Können sie ja auch nix für.
Mir ist dann noch mal klar geworden, dass es schon krass ist hier in Sri Lanka, der einzige Mann in der Familie zu sein. Und das schon seit 21 Jahren. Ganz schön viel Verantwortung.
Der Ehemann ist wohl ein ganz Unguter und ich will mir gar nicht vorstellen, was der mit der Schwester so alles angestellt hat. Angezeigt haben sie ihn auch schon, was wohl so ähnlich wirkt wie eine Scheidung hier in Sri Lanka. Chamara hat dann auch noch erklärt, dass man als Mann eben nie auf die Idee kommen sollte, unangemeldet zu einem Haus zu kommen, in dem wissentlich nur Frauen wohnen.
Zum Glück ist der nächste Nachbar ein Verwandter von der Mama und hat auch oft ein Auge auf Chamaras Familie.
Alles in allem war es aber ein wunderschöner Tag. Die Oma war auch da und der Neffe hat sich über so viel Trubel gefreut. Es wurde königlich gespeist und gelacht und geredet.

Bei uns zu Hause haben sich die Wogen wieder geglättet und der Lagerkoller ist passé. Gestern sind die drei Festivalanten dann in ihrem gemieteten Tuktuk aufgebrochen und am Abend schon sicher bei der ersten Zwischenstation angekommen.
Chamara und ich haben den ganzen Tag Carrom gespielt und abends auf der Terasse einen Film auf dem Tablet geschaut. Entspannt, lustig und schön.
In diesem Sinne...
:*, F*

Monday, 11 January 2016

Mistverständnisse und Gedanken denken

Nach einem Monat guter Laune folgen also auch mal ein paar Tage nachdenklicher Stille.
Neben Verständigungsproblemen, Sprachbarrieren und emotionalen Ausbrüchen halten wir aber alle unsere Ohren steif. Sana, Lena und Peter machen sich bereit auf's Festival zu fahren und ich freue mich auf zwei geruhsame Wochen mit Chamara.
Details gibt es hierzu keine, nur so viel, dass es eben auch mal knallt, wenn man so lange und zu so Vielen zusammen ist und auch noch kulturelle Barrieren zwischen sich hat.
Hatte ich nicht vorher noch geschrieben, wie erstaunlich gut alles klappt? Typisch...

Ich denke momentan viel nach, über Zuhause, das Leben und das was morgen kommt, das was gestern war und vielleicht ein kleines Bisschen auch über Übermorgen. Aber das nur so bedingt.
Ich merke, dass ich wieder reif bin für ein wenig Stille. Wie gut, dass die jetzt kommt.

Mit Chamara habe ich wieder eine Scootertour gemacht und wir sind fast 200 km durch die Berge gefahren. Gefroren haben wir, nassgeregnet wurden wir und wunderschöne Landschaften haben wir gesehen. Davon kann ich fast nicht genug bekommen von diesen Ausblicken, den Gerüchen, dem Grün.
Das Highlight waren diesmal zwei tanzende Pfauenmänner, die uns ihr prachtvolles Rad geschlagen haben. Inmitten einer Teeplantage sind sie da entlang stolziert, diese bildhübschen Vögel.

Das erste Drittel meiner Zeit hier ist nun schon vorbei und irgendwie erlebe ich das alles als eine Art Wendepunkt. Ab jetzt wird es anders. Wie und warum, das weiss ich noch nicht, aber ich hab da so was im Gefühl.

Ich bin nach wie vor unglaublich dankbar dafür, das alles erleben zu dürfen und aber eben gerade auch sehr froh darüber, zu wissen, wer da daheim und überall sonst auf der Welt so auf mich wartet und an mich denkt.

Mir geht es auf jeden Fall gut und ich bin auch zuversichtlich, dass die Denkphase bald wieder um ist. Zu viel Gedenke hat mir noch nie gut getan und steht mir auch einfach nicht. Fühlen will ich und leben, und das tue ich ja zum Glück auch!

Liebe!

Sunday, 10 January 2016

Voll volle Hütte

Es ist sehr schön, dass wir so volles Haus haben. Fast eine Woche lang waren wir zu sechst und haben auch einen erneuten Ra-Ausflug gemacht.
Alle zusammen, Sana, Lena, Peter, Flo, Chamara und ich plus Suranga in seinem Tuktuk, voll Indianstyle! Durch die landside ist das überhaupt kein Problem, da wird nicht kontrolliert. Hinten 5, vorne zwei. Laute Musik und ab dafür!
Ich glaub diesmal haben wir 6 Flaschen geschafft, waren aber ja auch mehr :-P . Zwei noch zum Mitnehmen und dann zu Surangas Familie zum Essen.
Shiromi hat sich selbst übertroffen und uns herrlichst bekocht.
Die wohnen absolut genial, in einer kleinen Siedlung mitten im Dschungel, aber sehr nachbarschaftlich mit unmengen von Kindern und Freunden rechts und links. Die Frauen dort spinnen aus Koskosfasern Kokosseile und zwar über ein Spinnrad aus einer alten Fahrradfelge. An jedem Haus dort liegt so ein Haufen Fasern und die Frauen verdienen so ein wenig Geld dazu.
Sana, Lena und ich haben uns dann noch herrlich verausgabt im Spiel mit Surangas Kibdern. Netmi, die Tochter, ist ca. 5 und Ramesh, der Sohn, so um die 10. Sie ist das absolute Energiebündel und verspielt und offen und lacht die ganze Zeit. Er ist eher schüchtern und etwas zurückhaltend. Lenni hätte seine wahre Freudemit Ihnen gehabt, denn sie sind die tollsten Monkeykinder, die kann man hoch schmeissen und sie wissen direkt, wo sie landen. Die klettern Dir schneller auf die Schultern, als Du "stop" sagen kannst und haben ein wirklich bemerkenswertes Körperbewusstsein. Grosses Spasspotential!
Zum krönenden Abschluss wurden wir dann noch zu einer Lagune geführt. Spazieren also durch die grünsten Reisfelder, zwischen den singenden Vögeln zu einem wunderschönen "See". Surange uns seine zwei Kinder sind sofort reingesprungen und haben wild rumgetobt und er ist sogar ein ganzes Stück weit geschwommen (viele hier können nicht schwimmen).
Am Ufer standen die Palmen und über dem Wasser ging langsam die Sonne unter. Nicht weit von uns trieb ein Boot mit Mönchen, die gerade Ihren Abendgesang sangen.
Sri Lanka ist immer wieder voll von solch magischen Momenten.

Der Sari

Ich habe mir als Weihnachtsgeschenk einen Sari gekauft.
So einen wunderschönen mit schimmernder Borte und changierenden Farben. In rot, orange und etwas lila. Jetzt liegt alles bei der Schneiderin, die mir noch eine Bluse und einen Unterrock dazu näht. Ich bin schon sehr gespannt.
Im Gegensatz zu den Inderinnen tragen in Sri Lanka viel weniger Frauen Saris. Lehrerinnen, Frauen in office- oder government Jobs oder Ärztinnen gehören zu den wenigen, deren Alltagsoutfit ein Sari ist. Ansonsten wird er nur zu Hochzeiten oder anderen besonderen Festen ausgepackt. In den meisten ärmeren Familien besitzen die Frauen gar keinen, sondern leihen sich bei Bedarf einen aus.
Auch das komplizierte Binden beherrschen die meisten Frauen aus ärmlicheren Verhältnissen gar nicht mehr, höchstens die Oma noch.
Chamaras Schwester war so lieb mit mir zur Schneiderin zu fahren und hat mir den local Preis rausgeschlagen.
Hoffentlich hat die Schneiderin auch noch Zeit, mir das Anziehen zu zeigen ;-) .