Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll...
Die letzten zwei Tage in Kataragama waren so prall gefüllt mit buddhistischen Erlebnissen.
Morgens sind wir los, haben in Galle gefrühstückt und sind nach diversen Stops an schönen Tempeln abends um halb 6 in Kataragama angekommen.
Zwischendurch schon arge Geldsorgen verspürt, die dann aber in Wohlgefallen vergangen sind, als der Singhalese ein Zimmer für 1000 Rupees die Nacht aufgetan hat. Hatte schon schönere, aber auch schon viel schlimmere und die Familie dort war sehr nett und zuvorkommend.
Dann schnell den Reisestaub abgeduscht und fertig gemacht.
Chamara geniesst es, dass er mal alles planen und organisieren kann und für mich ist es auch total schön.
Also rein ins weisse Gewand, das man für den Tempelbesuch dabei haben sollte und los marschiert in den holy district.
Die Nacht war dunkel und es wehte ein kühler Wind.
Schon auf dem Weg trafen wir überall weissgekleidete Pilgerer, die Obstplatten, Wasserlilien und andere Opfergaben mit sich trugen. Die Luft roch nach Zimt und hoppers und Incense, die Stände außerhalb der Tempelanlage spielten laute Musik und die Verkäufer riefen uns zu, dass wir doch bloß bei Ihnen den besten Krimskrams bekommen.
Über die Brücke mussten wir, unter uns der Bach, der selbst in der Dunkelheit noch schmutzigen Reisenden zu einem erfrischenden Bad verhalf, da man auf keinen Fall schmutzig zum Tempel geht.
Einen langen sandigen Weg entlang vorbei an weiteren Verkäufern und inmitten einer langen Prozession von weissgewandigen dunkelhäutigen Menschen, zwei weisse Gesichter werde ich in den nächsten zwei Tagen sehen, ansonsten bin ich die einzige. Wir haben definitiv nicht das Westtouri Programm absolviert.
Am Ende des Sandweges stellten wir unsere Schuhe ab und tauchten ein ins Geschehen. Im Baum sassen Hühner und schliefen, die Tempel Mauer war bestückt mit tausenden kleiner Elefanten, über denen Pfauen auf Cobras stehen. Der Geruch von Jasmin und Kokosöl gesellt sich zu den anderen dazu und mein erstes Bild des Innenhofes ist das von extatisch tanzenden Menschen, mit Pfauenfedern, die in einem Bogen eingespannt sind. Eine Frau schreit auf und fällt zu Boden, wälzt sich hin und her und die anderen Tänzer tanzen wild um sie herum. Der Geist ist in sie gefahren. Ein Mann liegt ein Stück entfernt von ihr auf dem Bauch im Sand und hat einen riesigen Stein auf dem Rücken. Selbstkasteiung quasi, ein selbstauferlegtes punishment, um die Götter gütig zu stimmen.
Gedränge um den Eingang zu einem der Gebäude. Die Menschen strecken die Hand aus und bekommen eine Kelle Jasminwasser eingeschenkt, Chamara hat eine der Blüten abbekommen, das ist was ganz Besonderes. Er trinkt und gibt mir einen Schluck ab. Jetzt riecht es also auch von Innen nach Jasmin. Die Türen zu diesem Häuschen gehen auf und die Menschen strömen ein in einer langsamen Prozession vorbei an Kataragama, der vielgesichtigen Göttin. Rupees werden auf der einen Seite gespendet, Obstplatten auf der anderen. Am Ausgang wartet ein Mönch, der uns einen Löffel heissen, Zimtundzuckerreis mit Nüssen und Rosinen in die Hand gibt. Köstlich und irgendwie magisch. Alles geht so schnell und irgendwie liegt in allem doch eine tiefe Ruhe.
Wieder eine Frau, die plötzlich zusammenzuckt, aufschreit, zu Boden knallt, sich wälzt und nach einer Weile einfach reglos liegen bleibt. Ihre Freundin sieht nach ihr, aber keiner ist besorgt. Sowas passiert hier halt.
Wir gehen vorbei an Schreinen kleinerer Gottheiten, wo die dazugehörigen Mönche Menschen "segnen", die Ihnen Geschenke bringen. Auch hier eine lange Schlange obstbestückter Buddhisten.
Weiter ging es einen sandigen Weg zum grossen Tempel entlang, an dessen Ränder Frauen Wasserlilien verkauften, wir nahmen 5 und opferten sie an den Schreinen rund um die weisse Stupa. Danach gingen wir schweigend drei mal um den Tempel herum, begleitet von Gesängen und Gebeten von Menschen, die entweder auch gingen, oder am Rand standen oder saßen. Da war eine wunderschöne Stimmung, ganz friedlich und andächtig und fröhlich. Eine gute Mischung.
Fast drei Stunden waren vergangen bis wir wieder am Anfang bei unseren Schuhen angelangt waren. Wahnsinnig viele Eindrücke, Gerüche und Farben haben wir gesehen, blinkende Buddhaschreine, die psychedelischer nicht hätten anmuten können, viel zu verdauen.
Die Nacht war friedlich und der Schlaf wohlverdient und am nächsten Morgen sind wir zeitig um 7 aufgestanden und los gefahren zu Waliammas Devale. Ein weiterer Tempel auf dem Gipfel eines Berges in der Nähe.
Am Fuße haben wir unseren Scooter abgestellt und sind los gegangen in den Dschungel. Tausende Treppenstufen führten durchs Grün nach oben, auf dem Weg wurden uns an kleineren Schreinen von murmelnden Mönchen verschiedenstfarbige Punkte auf die Stirn gemalt.
Eineinhalb Stunden dauerte der Anstieg. Wir waren recht schnell. Und sehr verschwitzt als wir oben ankamen. Schneller waren nur die vielen Affen, die verstohlen auf uns herabblickten und darauf warteten, dass sie uns was zu essen abluxen können.
Der Ausblick war atemberaubend. Bis zu den Meeren konnten wir blicken und weit in die Berge hinein auf der anderen Seite.
Es war strahlend blauer Himmel und im Schatten des Buddhatrees haben wir eine Pause gemacht, um unsere Beine auszuruhen. Andere Tempelgänger gaben uns von Ihrem Obst und so saßen wir da und aßen genüsslich ein paar Bananen.
Der Abstieg ging natürlich schneller, aber am Ende haben unsere Beine doch gezittert. All diese ungleichmäßigen Stufen sind ganz schön anstrengend für Knie und Muskeln...
Weder auf dem Weg, noch oben haben wir auch nur einen einzigen Touristen getroffen, dafür aber Scharen von Singhalesen und Tamilen, die alle diese Göttin verehren. Es war eine fröhliche und freundliche Stimmung und alle haben sich ermutigt, die nächsten Schritte auch noch zu gehen.
Ich kann Kataragama nur empfehlen, wenn man mal den ganz argen Religionshammer möchte. In der richtigen Pilgersaison kann man hier auch noch ganz andere Sachen erleben, wo sich Menschen Messer oder Holzpflöcke durch die Haut bohren, oder sich an Ringen aufhängen. Das haben wir allerdings diesmal nicht gesehen.
Der Nachmittag gehörte dem Besuch eines ganz alten Tempels 20 km außerhalb. Monströse Granitfelsen, in die kleine Stufen gehauen wurden haben uns fast die Füsse verbrannt. Aber auch hier war der Ausblick wunder schön. Über den ganzen Yala National Park.
Tief in einem der Felsen war eine Höhle geschlagen wirden, in der eine liegende Buddhastatue zu sehen war. Diese Höhlen sind kühl und ruhig und erholsam für die Seele finde ich.
Auch hier waren wir eine gute Stunde zu Fuss unterwegs und den Muskelkater durfte ich auch ein paar Tage später noch spüren.
Am frühen Abend haben wir dann einen Ausflug nach Tissa gemacht, wo wir uns an den Rand einer riesigen Lagune gesetzt haben und als die Dämmerung kam, kamen die Flughunde. Erst waren es ein paar und ich hab fröhlich drauf gezeigt: "Chamara look, bats!" "Look there." kam nur züruck und am Horizont kam eine riesige schwarze Wolke von langsam Flugelschlagenden riesigen Fledermäusen auf uns zu. Boom! Total geil, und ein wunderbarer Abschluss für diesen wahnsinnig tollen Besuch in Kataragama.
F*
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