Friday, 15 January 2016

Der Geburtstag

Chamaras Schwester hatte Geburtstag am 13.1. und wir waren alle eingeladen.
Chamara und ich sind am Abend zuvor noch schnell zum Metzger gefahren und haben ihr als Geburtstagsgeschenk 2 kg Hühnerbrust gekauft. Fleisch gibt es bei ihnen nur zu genau ausgewählten Anlässen, da sie sich das eigentlich nicht leisten können.
Wir zwei sind direkt schon morgens zu ihm heim und ich durfte beim Kochen helfen. Na ja, also eher zuschauen. Das einzige was ich machen durfte, war 20 Eier aufschlagen :D. Aber immerhin. Es war super cool zu sehen, wie die Mädels da kochen.
Zuerst wurde der Reis aufgestellt und Gemüse geschnitten. Dazu setzte sich die mittlere Schwester, die auch Geburtstag hatte, auf einen kleinen Hocker, klemmte sich ein Messer zwischen die Zehen und produzierte den feinsten Julienneschnitt von Karotten, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch und Bohnen.
Danach ging es ans Chicken. Das wurde ebenso mit dem Fußmesser zerkleinert und dann gewürzt. Das Gewürzregal der Mama entspricht in etwa meinem, sie hat Berge von kleinen, mittleren und großen Dosen, die alle toll nach etwas anderem riechen.
In der Zwischenzeit wurde eine zweite Feuerstelle draussen aufgebaut, wo dann alles angebraten, mit Wasser aufgefüllt und zugedeckt eine halbe Stunde kochen gelassen wurde. Da wurde am Anfang das Feuer noch mal richtig geschürt und ein grösserer Ast aufgelegt und dann hat sie das einfach runter brennen lassen, danach war es fertig.
Dazu gab es noch Mushroomcurry, Papadoms, Omelette, Dhal und eben Reis mit Gemüse und Ei.
Den ganzen Tag lang wurde gekocht und gefegt und alles hergerichtet und ich dazwischen mit meinem Rezeptbuch und meinen paar Worten Singhala. Es war super.
Geschmeckt hat es auch fabelhaft. Selbst unsere zwei Vegetarierinnen haben beim Chicken nicht ablehnen können und sich sogar ein Bisschen nach genommen. Am Nachmittag hat Chamara dann noch die Flasche Arrack rausgeholt und wir haben uns gemeinsam mit dem Onkel, der das Dach gemacht hat, in den Dschungel verzogen und jeweils ein Gläschen und eine frische Coconut getrunken.
Insgesamt ein super Tag mit viel Gelächter und leider auch ein wenig Drama, da sich die mittlere Schwester gerade von ihrem Mann trennt und der kurz aufgetaucht ist.
Stink besoffen kam er an und hat Geschenke gebracht, die zunächst angenommen wurden, dann aber, als er nicht wieder gehen wollte, von der geballten Frauenpower einfach ins Gebüsch gepfeffert wurden während Chamara ihn wild schreiend, gestikulierend und mit einem Stock drohend vom Hof gejagt hat.
Kurzfristig etwas beängstigend, aber hat sich dann zum Glück schnell wieder aufgelöst.
Alle waren natürlich etwas aufgewühlt und die Mädels haben sich doch mehrmals bei uns entschuldigt. Können sie ja auch nix für.
Mir ist dann noch mal klar geworden, dass es schon krass ist hier in Sri Lanka, der einzige Mann in der Familie zu sein. Und das schon seit 21 Jahren. Ganz schön viel Verantwortung.
Der Ehemann ist wohl ein ganz Unguter und ich will mir gar nicht vorstellen, was der mit der Schwester so alles angestellt hat. Angezeigt haben sie ihn auch schon, was wohl so ähnlich wirkt wie eine Scheidung hier in Sri Lanka. Chamara hat dann auch noch erklärt, dass man als Mann eben nie auf die Idee kommen sollte, unangemeldet zu einem Haus zu kommen, in dem wissentlich nur Frauen wohnen.
Zum Glück ist der nächste Nachbar ein Verwandter von der Mama und hat auch oft ein Auge auf Chamaras Familie.
Alles in allem war es aber ein wunderschöner Tag. Die Oma war auch da und der Neffe hat sich über so viel Trubel gefreut. Es wurde königlich gespeist und gelacht und geredet.

Bei uns zu Hause haben sich die Wogen wieder geglättet und der Lagerkoller ist passé. Gestern sind die drei Festivalanten dann in ihrem gemieteten Tuktuk aufgebrochen und am Abend schon sicher bei der ersten Zwischenstation angekommen.
Chamara und ich haben den ganzen Tag Carrom gespielt und abends auf der Terasse einen Film auf dem Tablet geschaut. Entspannt, lustig und schön.
In diesem Sinne...
:*, F*

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