Wednesday, 20 January 2016

Der Singhalese und ich

Nähkästchen muss ja auch mal sein, deshalb öffne ich es hiermit und erzähle mal ein wenig von meiner interkulturellen Beziehung.

Ich bin unendlich froh, diesen Schritt getan zu haben, einfach so mir nichts, dir nichts wieder nach Sri Lanka zu fliegen. Ich kann hier unheimlich viel lernen über die singhalesische Kultur und wie es eigentlich wirklich ist als Fremde in einem Land zu sein und mit einem Einheimischen zusammen zu sein.
Es hat von allem etwas, es ist schön, manchmal anstrengend, aufregend und manchmal aufwühlend, es stellt Dich andauernd auf die Probe und doch lehrt es Dich, gelassen und ruhig zu bleiben.

Beginnen wir mal mit ein paar lustigen Dschungelgeschichten:
Chamara hat seine ganz eigenen Weisheiten. Neulich war ein Mosquito im Schlafzimmer, und er meint nur: "One man, one mosquito, no Problem!" Ja, ja, als ob das Viech ihn stechen würde...
Grosse Spinnen gibt es. Haarig, handteller gross und ziemlich verflixt schnell. Ich hatte ihn gebeten, diesen netten Gast doch evtl. raus zu befördern, das wollte er aber nicht, da er ihr dann vielleicht die Beine bricht und das wäre ja nicht nett. Ausserdem behauptet er einfach: "This is nice spider. Sometimes nighttime it walks on my arm. I like! It's spider massage." ?!?!?!?!? Brrrrrrrrrrrrrr.
Unrasierte, pieksige Beine hatte ich. Er lächelt mich verzückt an und sagt: "Ah, jackfruit legs. No problem, now jackfruit season."

Streiten tun sie gerne. Zu einem anständigen Partyabend gehört zumindest auch eine anständige Diskussion.
Manchmal kann das ganz schön herausfordernd sein, vor allem, wenn man eine Sprachbarriere zwischen sich hat, die mit zunehmend höherem Alkoholpegel auch nicht kleiner wird... Bis dato ließ sich aber alles so lösen, dass wir danach gegenseitig wieder etwas mehr über das Innen- und Aussenleben des anderen verstanden haben.
Interkulturelle Herausforderungen hab ich auf jeden Fall nicht zu wenige.
Die vielen Regeln, die es hier zu beachten gibt, um als Frau nicht direkt in die schlampige Touristinnen Schublade gesteckt zu werden sind manchmal ziemlich anstrengend. Chamara sagt es schon richtig: "In Sri Lanka, boys have many freedoms. Girls no freedom."
Ja, und so ist es auch irgendwie. Kein local girl würde hier auf die Idee kommen öffentlich zu rauchen, Colombo Mädels mal ausgenommen. Die dürfen alles, haben aber auch den Ruf crazy und überheblich zu sein. Das kann man als Europäerin definitiv auch machen, hat dann aber auch schnell den dazugehörigen Ruf.
Die hiesigen beachside Jungs machen Party, saufen, rauchen, tanzen, flirten und schleppen die Tourimädels ab. Dafür nimmt die aber auch kein local girl mehr zum Mann. Einmal beachboy, immer beachboy.

In vielen traditionellen Familien wird auch wirklich noch das Laken nach der Hochzeitsnacht kontrolliert. Ob nun love oder arranged marriage. Nicht selten schneiden die Jungs sich in den Finger, um ein paar Blutstropfen auf der weissen Wäsche vorzuweisen.

Meine grösste Übung hier ist es, Situationen als das wahrzunehmen, was sie sind; Situationen, Momentaufnahmen, die als solche erstmal existieren, mehr nicht. Die Kunst ist es nun, keine Wertung vorzunehmen, sondern alles nur wahrzunehmen und abzuwarten. Oftmals ist der erste Eindruck, oder das erste Verständnis einer Situation vollkommen falsch und oft kann es passieren, dass die Reaktion auf diese Fehlinterprätation dazu führt, alles zu verkomplizieren. Wartet man jedoch ab, wertet nicht, sondern ist nurmehr Zuschauer des ganzen, hat man viel mehr Möglichkeiten zu verstehen oder bei Bedarf auch einzugreifen oder zu vermitteln. Ich habe hier genügend Möglichkeiten genau das zu üben und zu verbessern und bin froh sagen zu können, dass mir das ganz gut gelingt. Ich habe viel an Geduld dazu gewonnen, was mir wohl kaum schaden kann :-) .

Auf der anderen Seite gibt es unheimlich viele tolle, süße und lustige Momente hier. Es hat irgendwie was, im Schutze des Tuktuks heimlich Händchen zu halten und sich verstohlene Blicke zuzuwerfen. Auch Dschungelwissen und Dschungelmythen sorgen immer wieder für Staunen und Gelächter. Ich kann nur sagen, dass ich da einen ganz besonderen Menschen kennen gelernt habe und sehr froh bin ,so viel von ihm lernen zu können. Er lernt von mir auch viel. Und ich merke wie jeden Tag unser Verständnis für des anderen Kultur und Herkunft wächst und wächst.

Die letzte Woche war für uns alle, Chamara, Sana und mich, eine ganz wichtige. Wir haben noch mal ein paar große Schritte getan in Richtung Vertrauen und Zusammengehörigkeitsgefühl. Es tut gut, wieder unserem eigenen Rhythmus folgen zu können, da wir jetzt wieder alleine sind. So schön es war mit Besuch, so schön ist es jetzt auch, wieder vollkommen rücksichtslos sein zu können :-P .

Natürlich denke ich zwischendurch auch darüber nach, wie es sein wird sich zu verabschieden und nicht zu wissen, was kommt. So eine Beziehung auf Zeit ist eine schräge Erfahrung. Aber vielleicht ist es ja auch noch nicht das Ende, wenn ich heim fliege im März. Entscheiden werde ich das aber alles erst, wenn es dann so weit ist. Aber froh bin ich, sehr froh darüber, wie mein Leben verläuft und dass ich die Menschen treffe, die ich treffe.

So long! Love!



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