Wednesday, 20 January 2016

Familiäre Einblicke

Wie häufiger in letzter Zeit sitze ich auf der Rückseite von Chamaras kleiner Hütte und schaue dem Treiben der Frauen hier zu. Der Neffe mag mich mittlerweile sehr und liebt es, mir Blumen, Steine und andere tolle Geschenke zu bringen.
Seit ein paar Tagen ist es soweit, dass ich mich nicht mehr als umsorgter Gast, sondern eher als Teil des Gewusels fühle.
Sprachlich bin ich hier sehr gefordert, da nur die beiden älteren Schwestern ein paar Worte Englisch sprechen. So kommt es also, dass zumindest mein Kochvokabular immer besser wird, da mich natürlich brennend interessiert, was und wie die Mama heute kocht.
Eine Situation neulich hat mich dann doch besonders berührt. Ich sass hier hinten auf den Stufen und hab gelesen, während Chamara noch "schnell" duschen wollte. Die Mutter hat gespült am Brunnen, der Sohn sich gewaschen, die Schwestern sich die Haare entlaust (keine Angst, ich bringe keine mit) und der Neffe ist um uns herum gerannt. Geduscht wird auch am Brunnen und ein Duschgang braucht ca. 15 Eimer Wasser, die alle auvh aus dem recht tiefen Brunnen hochgeholt werden wollen. Und zum Duschen trägt Mann einen Sarong, eine Art Männerrock, damit einem die Frauen nix weg gucken.
Irgendwann sagt Chamara was zu seiner Mutter, geht in die Hocke und sie nimmt so ein altes Fischernetzt und schrubbt ihm den Rücken ab. Das hatte so was herrlich Intimes und Unschuldiges und Nahes, das hat mich ziemlich berührt.
Viel hat sie hier wirklich nicht diese kleine Familie, aber sie halten sehr fest zusammen und sind ein gut eingespieltes Team. Jeder erledigt seine Aufgaben und alle lachen oft und herzlich miteinander.
Zum Glück bietet der Garten meist genug zum Essen für alle und das Einkommen der jüngsten Schwester sichert zumindest die Miete und ein paar Extras. Chamara wird wohl nach meiner Abreise wieder nach Colombo oder Galle auf den Bau arbeiten gehen. Aber viel ist das alles wirklich nicht.
Die Tage habe ich mal die Gemüsevorräte aufgefüllt, da es wirklich nur noch Reis und Dhal gab und die Mutter schon ganz traurig war, mir nur ein Gericht anbieten zu können (rice and curry sind hier immer mindestens drei Beilagen mit Reis, eher 5).
Die Tage zu zweit haben meinen Singhalafortschritten sehr gut getan. Einkaufen kann ich jetzt und bestellen an der Bar und Dinge nachfragen, wie Preise, Mengen, Namen und was man sonst noch so alles wissen muss. Es geht also weiterhin voran :-).
Ich hoffe, der Winter hat Euch alle nicht zu sehr in seinem Griff und es geht Euch gut.
F*

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